Ku-Klux-Klan-Attacke in deutschem Gefängnis

15. Mai 2005, 12:46
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Behörden ermitteln gegen zwei Gefängniswärter in Hessen, die einen schwarzen Häftling mit einer Kapuze erschreckt hatten

Wiesbaden/Gießen - Nach der Ku-Klux-Klan-Attacke auf einen schwarzen Häftling im hessischen Gefängnis Butzbach ermittelt die Staatsanwaltschaft. Gegen die beiden Bediensteten, die an dem Vorfall beteiligt waren, sei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Gießen am Mittwoch. Ein 29 Jahre alter Justizbeamter hatte den Häftling Ende März im Gefängnis mit einer Mütze im Stil des rassistischen Geheimbundes erschreckt, ein 51 Jahre alter Kollege war dabei.

Den Auftritt der Beamten in einer Kleider- und Vorratskammer des Gefängnisses habe der Gefangene als Todesdrohung erlebt, berichtete der Anwalt des Gefangenen im Hessischen Rundfunk (HR). Der 41-Jährige stamme aus Alabama und habe dort erlebt, wie der Ku-Klux-Klan Farbige misshandelte. Auch Mitglieder seiner Familie seien Opfer von Übergriffen geworden. Die beiden Beamten sind vom Dienst suspendiert. Ihnen drohen auch disziplinarische Konsequenzen, theoretisch bis hin zur Entlassung, wenn ihre Schuld nachgewiesen wird.

Bisher sei das Tatmotiv unklar. Allerdings könne es sich nicht um eine spontane Aktion gehandelt haben, sagte der Rechtsanwalt dem HR. Die Beamten hätten vorher einen anderen Häftling beauftragt, die Stoffkapuze nach dem Vorbild des Klans zu nähen.

Der Ku-Klux-Klan ist ein rassistischer Geheimbund von Weißen in den USA. Seine Mitglieder tarnten sich bei brutalen Überfällen auf Schwarze und Bürgerrechtler vor allem in den 60er Jahren, indem sie ihre Köpfe unter spitzen weißen Henkersmützen mit Sehschlitzen verbargen. Dem Klan wurde eine Reihe von Morden zur Last gelegt. (APA/dpa)

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