Misstrauensantrag nach Maturapanne

12. Mai 2005, 23:29
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Slowakei: Minister unter Kritik - Grund waren vorgezeichnete richtige Antworten auf Maturabögen

Bratislava - Das slowakische Parlament soll noch in dieser Woche über einen Misstrauensantrag gegen den christdemokratischen Bildungsminister Martin Fronc abstimmen. Der Antrag wurde von der Oppositionspartei Smer (Richtung - Soziale Demokratie) eingebracht. Zwei oppositionelle Parteien - die Bewegung für eine Demokratische Slowakei (HZDS) und die Kommunisten (KSS) - haben sich dem angeschlossen.

Anlass ist ein Fauxpas bei der diesjährigen Matura. Alle Mathematik-Tests in der ganzen Slowakei müssen wiederholt werden, nachdem sich herausgestellt hatte, dass in 114 Mittelschulen mehr als 1500 Schüler bei der Prüfung Testbögen mit vorgezeichneten richtigen Antworten erhalten hatten.

Mangelhaft vorbereitet

Die Matura wurde in der Slowakei heuer erstmals seit der Wende von zentraler Stelle koordiniert. Alle Maturanten mussten die gleichen Fragen beantworten. Bürgerinitiativen hatten schon seit geraumer Zeit auf eine mangelhafte Vorbereitung der zentral koordinierten Reifeprüfung aufmerksam gemacht. Mit einer Klage beim Verfassungsgericht versuchten sie, die Neuordnung der Matura zu Fall zu bringen; mit dem Argument, die Schüler seien zu spät über die neuen Bedingungen informiert worden. Die Klage wurde allerdings abgewiesen.

Diese Affäre um die Matura ist der aktuelle Anlass für den Misstrauensantrag, Fronc wird grundsätzlich Unfähigkeit zur Leitung des Bildungsministeriums vorgeworfen. Die Chance, dass die Opposition die dafür nötigen 76 Stimmen zusammenbringt, ist zwar sehr klein. Aber die Affäre vergrößert die Spannungen zwischen den Christdemokraten (KDH) und der liberalen Allianz des neuen Bürgers (ANO). (APA)

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