"Ölpreis frisst Entwicklungshilfe"

20. Mai 2005, 16:51
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Der dramatische Preisanstieg bei Rohöl habe in Afrika die Gelder für Entwicklungshilfe aufgezehrt - Jetzt werden Alternativen gesucht

Wien - Für die Weltkonjunktur sei der steile Anstieg der Rohölpreise zweifellos eine Belastung, für viele Länder Afrikas aber schlichtweg eine Katastrophe. "Der hohe Ölpreis frisst die Entwicklungshilfegelder auf", sagte der Leiter des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, Klaus Töpfer, am Mittwoch bei dem vom Umweltministerium in Wien initiierten 5. Global Forum on Sustainable Energy.

Da Rohöl als nur begrenzt zur Verfügung stehender Rohstoff aller Voraussicht nach teuer bleiben werde, seien Alternativen gefragt. "Alternativen, die auch umweltverträglich sind", wie Töpfer sagte. Die Erderwärmung, die zu einem wesentlichen Teil auf die rapide Zunahme von Kohlendioxidemissionen und damit auf die Verbrennung fossiler Stoffe zurückzuführen ist, sei mitverantwortlich für die Zunahme von Naturkatastrophen. Im Vorjahr entstanden nach Berechnungen der Schweizer Rück Versicherung weltweit Schäden im Ausmaß von rund 140 Mrd. Dollar; tatsächlich versichert seien davon nur rund 44 Mrd. Dollar gewesen.

Beim Auf- und Ausbau alternativer Energieformen kämen insbesondere auch Länder wie Deutschland und Österreich ins Spiel; dort gebe es ein großes Know-how in Sachen Biomasse, Wind, Solar und Geothermie. Vor allem kleine Projekte seien gefragt, zumal es in weiten Teilen Afrikas, aber auch in Entwicklungsländern auf anderen Kontinenten vielfach an ausgebildeten Handwerkern und Technikern zur Bedienung großer, komplexer Anlagen fehle.

Besondere Bedeutung komme der Biomasse zu. Weltweit stammen rund 14 Prozent der verbrauchten Energie aus nachwachsenden Rohstoffen wie zum Beispiel Holz. Zum Vergleich: 43 Prozent stammen aus Erdöl, 16 Prozent aus Erdgas und sieben Prozent aus Kohle.

Die regionale Nutzung der Biomasse variiert allerdings stark. In den OECD-Ländern entfallen nur drei Prozent der verbrauchten Energie auf Biomasse, in Afrika sind es 49 Prozent. "Die Effizienz ist dort aber sehr gering", sagte Töpfer. "In Indien gibt es sogar eine hohe Sterberate, weil Biomasse falsch eingesetzt wird."

Umweltminister Josef Pröll sieht vor allem in Südosteuropa ein großes Potenzial für österreichische Unternehmen, mit Umwelttechnologien zu reüssieren. Die voraussichtlichen Kosten, um allein den Wasser- und Abwasserbereich auf Vordermann zu bekommen, belaufen sich in Kroatien bis zum Jahr 2012 auf rund 5,0 Mrd. Euro; in Bulgarien werden diese Kosten bis 2015 auf 4,9 Mrd. Euro geschätzt, in Rumänien bis 2018 auf 10,1 Mrd. Euro. Werden in der Betrachtung auch der Abfallbereich sowie die Luftreinhaltung in den drei Ländern berücksichtigt, ergeben sich Gesamtinvestitionen von rund 45 Mrd. Euro. (stro, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.5.2005)

  • Biomasse kann die Abhängigkeit von teurem Öl lindern und das Klima schonen: Klaus Töpfer, Leiter der UN-Umweltbehörde.
    foto: standard/andy urban

    Biomasse kann die Abhängigkeit von teurem Öl lindern und das Klima schonen: Klaus Töpfer, Leiter der UN-Umweltbehörde.

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