Rafsanjanis Comeback

23. Mai 2005, 18:42
9 Postings

Im Jahr 2000 rutschte er gerade noch mit Ach und Krach ins Parlament, heute ist der mittlerweile 70-Jährige unbestrittener Favorit - Von Gudrun Harrer

Wie sich die Zeiten ändern: Im Jahr 2000 wurde Ali Akbar Hashemi Rafsanjani von den iranischen Reformwählern und -wählerinnen eine bittere Niederlage beschert, als der reiche und mächtige frühere iranische Präsident gerade noch mit Ach und Krach ins Parlament rutschte (und daraufhin indigniert auf seinen Sitz verzichtete). Heute ist der mittlerweile 70-Jährige wieder da, als unbestrittener Favorit bei den Präsidentschaftswahlen im Juni: Von der Reformfront her droht ihm keine ernsthafte Konkurrenz; Mostafa Moein, der Mann der Liberalen, der am Mittwoch seine Kandidatur bekannt gab, kann froh sein, wenn ihn der Wächterrat nicht disqualifiziert.

Deshalb ist Rafsanjani plötzlich zu etwas wie einem Bollwerk geworden gegen alles, was rechts von ihm liegt. Viele frühere Reformwähler werden ihm deshalb ihre Stimmen geben. Trotzdem hat Rafsanjani lange Kalkulationen angestellt, bevor er in den Ring stieg: Denn auch ein Wahlsieg könnte letztlich eine Blamage für ihn werden, dann nämlich, wenn die Anzahl der Stimmen, mit denen er gewählt wird, im Vergleich zu denen, die Mohammed Khatami 1997 und 2001 auf sich vereinen konnte, zu sehr abstinkt.

Mit seiner Kandidatur rückt jedenfalls das in die Ferne, was nach Meinung vieler Iraner und Iranerinnen im 26. Jahr der Islamischen Republik wünschenswert wäre: ein turbanloser Regierungschef. Den Mullahs würde mit dem Revolutionsführer, seinem Apparat und seinen Institutionen ohnehin der mächtigere Teil des Staates bleiben. Allerdings ist Rafsanjani nicht einfach ein Mann von gestern: Am Ende seiner Präsidentschaft hatte bereits die pragmatische Öffnung des Iran begonnen, die die - später verpuffte - interne Aufbruchsstimmung unter Khatami erst möglich machte. Vielleicht wird er sein Projekt weiterführen, erfolgreicher als Khatami, weil viel besser als dieser an die Macht angebunden. (DER STANDARD, Printausgabe, 12.05.2005)

Share if you care.