"Aufbauhilfe Ost" durch Liga-Aufstockung

25. Mai 2005, 17:55
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Kaiser Franz Beckenbauers Idee sorgt in Deutschland für Diskussion

Berlin - Es hätte alles so schön sein können. Die Nationalmannschaft werde über Jahre hinaus unschlagbar sein, hatte Franz Beckenbauer - in der Euphorie des Berliner Mauerfalls quasi schon gesamtdeutscher Kaiser - gemeint. Die Rechnung war einfach. West- plus ostdeutsche Kicker sollten die beste DFB-Auswahl aller Zeiten garantieren, Klubs wie Dynamo Dresden, Hansa Rostock und Lok Leipzig würden der Bundesliga neuen Pep verleihen.

Knapp 16 Jahre später gilt das deutsche Team nicht unbedingt als haushoher Favorit für die kommende Heim-WM, und die Liga wird mit Saisonende erstmals seit 1991/92, als Rostock und Dynamo Dresden von einer vorübergehenden Aufstockung profitierten, eine rein westdeutsche Angelegenheit sein. Rostock ist als letzter gestandener Ostklub so gut wie abgestiegen. Jetzt ist wieder Beckenbauer am Wort. Er fordert eine Aufstockung der Bundesliga auf zumindest 20 Klubs. Damit wäre, wieder so eine einfache Rechnung, nicht nur dem Osten geholfen. "Von den fünf großen europäischen Fußballnationen besitzen vier eine 20er-Liga. Wir haben die meisten Einwohner, leisten uns aber den Luxus der kleinsten Liga. Das Land verträgt mehr Fußball."

Mimosen wollen kein Almosen

Theo Zwanziger, Geschäftsführender Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), rückt das Ostargument mehr in den Vordergrund: "Eigentlich müsste es zwei ostdeutsche Vereine in der 1. Liga und vier bis fünf in der 2. Liga geben." Zwanziger kündigte eine Diskussion über die Situation des Fußballs im Osten an. Über finanzielle Hilfe für die strukturell benachteiligten Klubs werde nachgedacht.

Rostock, letzter DDR-Meister und seit 1995 ununterbrochen im Oberhaus, könnte profitieren, will aber kein Almosen. "Wir lehnen einen Ostbonus ab. Außerdem sind wir kein Ost-, sondern ein Nordverein", so der zweite Vorsitzende Rainer Jarohs. Auch Bayerns Trainer Felix Magath steht der Aufstockungsidee seines Präsidenten skeptisch gegenüber: "Ich halte das wegen der Mehrbelastung für bedenklich. Zudem bin ich kein Freund davon, irgendwo einzugreifen. Es muss andere Möglichkeiten geben, den Ostklubs zu helfen. Wichtig ist es, dass die dort ausgebildeten Talente bei den Klubs gehalten werden." (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 12. Mai 2005, red)

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