Kommentar: Grassers öffentliches Liebesglück

31. Mai 2005, 17:33
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Der internationale Jetset erobert die österreichische Politik - in grünen Badehosen

Die Homepage-Affäre ist von ihm abgefallen. Jetzt hat er Fiona am Hals. Soll ihm nichts Schlimmeres passieren. Karl- Heinz Grasser hat sein Liebesglück gefunden. Und Dank der Prominenz seiner neuen Flamme und der daran gehefteten Paparazzi müssen oder dürfen wir alle daran teilhaben. Immerhin gibt das einigen Abgeordneten jetzt die Möglichkeit, die Bild-Zeitung ganz offen auch im Parlament zu lesen. Oder sie wenigstens anzuschauen.

Privatsphäre kaum vorhanden

Fiona Swarovski ist eine schillernde Figur im internationalen Jetset. Privatsphäre ist dort kaum vorhanden. Das weiß Frau Swarovski, und sie spielt damit. Das weiß auch Karl-Heinz Grasser, und er spielt mit. Etwa am Flughafen Charles de Gaulle, als die ersten Fotos der knospenden und eigentlich geheimen Liebe geschossen wurden, da war Grasser ja noch an seine Verlobte gebunden, in der ÖVP ist das durchaus ein Thema.

Gutes Geschäft

Dass Fiona Swarovski mit der Öffentlichkeit umgehen kann, weiß man nicht nur aus einschlägigen Medien wie Gala, Bunte oder Frau im Spiegel, die ihre jeweiligen Beziehungen aufzeichnen. Und das ist ja gar nichts Verwerfliches, hier wird vorhandene Neugier befriedigt, die im Übrigen ein gutes Geschäft ist, im Idealfall für beide Seiten, für Nachfrager und Nachgefragte. Frau Swarovski trägt ihr Herz auch auf der Zunge, wenn sie uns und ihm über Interviews ihre Liebe gesteht und den Kinderwunsch ausrichtet.

"Hormongesteuerten Jetset-Leben"

So ist endlich auch Grasser Teil des Jetsets, jetzt auch des internationalen, das gönnen wir ihm herzlich, und das gefällt ihm sicher gut. Finanz^minister ist er übrigens auch noch und Teil des ÖVP-Regierungsteams. Dort fragt man sich, wie das wohl beim Wähler ankommt. Die Marke KHG, an der er selbst so intensiv gebastelt hat und die ohnedies schon ordentlich ramponiert ist, werde dadurch noch weiter beschädigt, glauben Meinungsforscher. Die Rolle eines seriösen Finanzministers passe mit einem "hormongesteuerten Jetset-Leben" nur schwer zusammen, heißt es. Mag sein, dass sich Wolfgang Schüssel mit der Überlegung, Fiona in den Wahlkampf einzubauen, noch schwer tut, aber andererseits ist das allemal besser als die Homepage-Affäre. Und wenn dann auch noch Fionas Kinderwunsch in Erfüllung geht - Grasser hat schon bewiesen, dass er alles, auch sein Privatleben, zu vermarkten bereit ist, wenn es seiner Karriere, derzeit noch politisch, bald vielleicht auch privatwirtschaftlich, nützen möge.

Geeignete Marketingstrategie

Schüssel und die ÖVP werden versuchen, das neue Image des KHG, das ganz wesentlich das öffentlich ausgetragene Liebesglück beinhaltet, mit einer geeigneten Marketingstrategie zu seinen und damit auch ihren Gunsten politisch zu verwerten. Heiße Küsse auf Capri, Sonne und grüne Badehose, daraus muss sich doch etwas machen lassen. Muss nur noch das Budget halten. Grasser muss nur aufpassen, dass er dabei nicht zur Witzfigur verkommt, und da ist er schon verdammt knapp dran. Andererseits ist er, nach dem massiven Abbau Jörg Haiders, der mit seinem BZÖ radikal an Attraktivität und Glaubwürdigkeit in jeder Hinsicht verloren hat, die einzig schillernde Figur in Österreichs Innenpolitik. Ganz wertfrei gesagt. Unter vielen, Pardon, Langweilern.

Privatleben

Politik besteht nicht nur aus Sachthemen, vor allem nicht im "Verkauf" an die Wähler, auf diesem Klavier spielen ja alle Parteien. Politik besteht zu einem großen Teil aus dem "Verkauf", aus Image und aus der Vermittlung des Gefühls, gut aufgehoben zu sein. Da kann die ÖVP mit Grasser, so er ihr überhaupt in der Politik erhalten bleibt, ein gutes Geschäft machen oder abstürzen. Im Augenblick sieht es nach Absturz aus. Diesem Mann unser Geld anvertrauen? Grasser vermittelt kaum den Eindruck, er sei auf den internationalen Finanzmärkten zu Hause, eher auf den Malediven oder auf Capri, auch wenn er dort mit verschiedenen Frauen herumturtelte. Grasser hat selbst als Spitzenpolitiker das Recht auf ein ausgefülltes Privatleben, aber er sollte es eben privat leben. Vielleicht kann das Fiona begreifen. (Michael Völker, DER STANDARD Printausgabe 12.5.2005)

von Michael Völker
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