Nach falschem Terroralarm Kritik an Sicherheitsbehörden

12. Mai 2005, 18:39
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Pilot und Flugschüler nach mehrstündigem Verhör freigelassen - Keine Anzeige

Washington - Der jüngste Terroralarm in Washington hat die Debatte um die Sicherheitsvorkehrungen in der US-Hauptstadt neu entfacht. Während das Weiße Haus und das Kapitol nach dem Irrflug eines Kleinflugzeugs in den gesperrten Luftraum am Mittwoch rasch geräumt wurden, wurden die städtischen Behörden erst verspätet gewarnt, wie der Bürgermeister von Washington kritisierte.

Bürgermeister Anthony Williams sagte, die Stadt sei über die Bedrohung erst zehn Minuten nach der vollständigen Räumung der Regierungsgebäude informiert worden. Williams' eigenes Büro liegt nur zwei Häuserblocks vom Weißen Haus entfernt. "Kritische und möglicherweise lebenswichtige Informationen über Bedrohungen, die Bewohner des Regierungsbezirks betreffen, müssen sofort weitergeleitet werden, nicht fünf, zehn oder 15 Minuten nach dem Ereignis", sagte der Bürgermeister.

Ministerium lobt "effektive Sicherheitsmaßnahmen"

Das Heimatschutzministerium wertete die Reaktionen von Luftwaffe und Sicherheitsbehörden hingegen als Erfolg. "Die Sicherheitsmaßnahmen wurden effektiv umgesetzt", sagte Ministeriumssprecher Brian Roehrkasse. Nach Ministeriumsangaben war der Vorfall am Mittwoch der erste, bei dem die Bevölkerung über die Aktivierung der höchsten Alarmstufe Rot informiert wurde.

Der erste Alarm wurde ausgelöst, als das Flugzeug, eine Cessna, noch 34 Kilometer von Washington entfernt war. Das Kleinflugzeug geriet um 11.28 Uhr Ortszeit (17.28 Uhr MESZ) auf den Radar der Flugsicherung. Um 11.47 Uhr stiegen ein Black-Hawk-Hubschrauber und ein Kleinflugzeug des Grenzschutzes auf, konnten die Cessna zunächst aber nicht stoppen.

Um 12.03 Uhr, als das Flugzeug nur noch 16 Kilometer vom Weißen Haus entfernt war, wurde dort Alarmstufe Rot ausgelöst. US-Präsident George W. Bush war nicht in Washington; seine Frau Laura, Vizepräsident Dick Cheney und die frühere First Lady Nancy Reagan, die zu Besuch im Weißen Haus war, wurden an einen sicheren Ort gebracht, wie Regierungssprecher Scott McClellan mitteilte.

Um 12.04 Uhr wurde auch im Kapitol die höchste Alarmstufe aktiviert, mehrere gepanzerte Wagen brachten die Politiker in Sicherheit. In den Büros des Kongresses ging die Evakuierungsorder über Pager ein, kleine Geräte für den schnellen Funkempfang von Textmitteilungen.

Warnschüsse

Unterdessen stiegen zwei F-16-Kampfflugzeuge auf und feuerten vier Warnschüsse ab. Daraufhin drehte die nur noch fünf Kilometer vom Weißen Haus entfernte Cessna ab und wurde von den Militärmaschinen auf den Flugplatz von Frederick in Maryland eskortiert.

Da sich die beiden Piloten - ein Fluglehrer und sein Schüler - offenbar verirrt hatten, beschloss die Regierung, auf eine Anzeige zu verzichten. Nach einem Verhör wurden die beiden wieder freigelassen.

Der Sicherheitsexperte David Heyman vom Zentrum für Strategische und Internationale Studien sagte der Nachrichtenagentur AP, es seien mehr vorbeugende Maßnahmen gegen solche Verletzungen des gesperrten Luftraums notwendig. Zwar seien bereits bedeutende Fortschritte gemacht worden, aber: "Wir haben noch viel zu tun." (APA)

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    Der Pilot wurde nach der Landung verhaftet

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