Der teure Tschick schmeckt nicht

27. Mai 2005, 16:37
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Jugendliche rauchen seltener - Erwachsene rauchen nicht weniger, aber billigere Zigaretten oder losen Tabak

Die Erhöhung der Tabaksteuer in Deutschland hat zwar dem ewig klammen Finanzminister wenig gebracht, wirkte sich aber auf das Rauchverhalten junger Menschen aus. Eine Studie zeigt, dass deutsche Jugendliche jetzt seltener zu Zigaretten greifen.

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"Dies ist ein sensationeller Erfolg", begeistert sich der deutsche Gesundheitsökonom Karl Lauterbach, der auch die rot-grüne Regierung in Gesundheitsfragen berät. Er hat in einer Studie das Rauchverhalten von Jugendlichen untersucht und kommt zu einem positiven Ergebnis: Innerhalb des vergangenen Jahres haben Zwölf- bis 17-Jährige ihren Tabakkonsum um‑ 13 Prozent gesenkt.

Teuerer Glimmstängel

Aber junge Menschen greifen nicht aus Vernunft seltener zum Glimmstängel. Er ist ihnen schlicht und einfach zu teuer. Denn die rot-grüne Regierung hat die Tabaksteuern am 1. März und 1. Dezember 2004 angehoben – jeweils um 1,2 Cent pro Zigarette.

Billigere Zigaretten und loser Tabak

Allerdings haben sich die Einnahmen von Finanzminister Hans Eichel (SPD) dadurch nicht erhöht. Im Gegenteil: Sie sanken im Jahr 2004 von 14,1 auf 13,6 Milliarden Euro. Die Deutschen rauchen nicht weniger, sie lassen nur zunehmend die Finger von teuren Zigaretten und zünden sich lieber billige aus dem Ausland oder losen Tabak an. Dieser wird niedriger besteuert. Außerdem hat sich der Schmuggel von Zigaretten erhöht.

Tabaksteuer soll weiter steigen

Im September soll die Tabaksteuer noch einmal um 1,2 Cent pro Zigarette steigen. Doch Haushaltspolitiker denken angesichts der drohenden Verluste von Steuereinnahmen bereits darüber nach, diese Erhöhung ausfallen zu lassen. Gesundheitsökonom Lauterbach ist strikt dagegen und verweist auf Einsparungen an anderer Stelle.

Weniger Erkrankungen

Laut seiner Studie werden durch eine höhere Tabaksteuer langfristig mehr als 12.000 Erkrankungen wie Lungenkrebs oder Schlaganfälle verhindert, die Zahl der Todesfälle sinke um 8500. Jährlich könnte man bei den Gesundheitsausgaben drei Milliarden Euro sparen.

Rauchbeginn im Durchschnitt mit 13,6 Jahren

Jugendliche in Deutschland beginnen im Durchschnitt mit 13,6 Jahren mit der Qualmerei und liegen damit im Vergleich zu anderen europäischen Ländern beim Rauchen vorne, sagt Lauterbach. Es seien daher "wirksame Maßnahmen" erforderlich, um sie davon abzuhalten, mit dem Rauchen überhaupt zu beginnen. Und das sind für den Experten eben teurere Zigaretten. Denn, so heißt es in der Studie: "Ju^gend^li^che reagieren auf Preisanstiege nach Tabaksteuererhöhungen empfindlicher als Erwachsene." (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD Printausgabe 12.5.2005)

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    Junge Menschen greifen nicht aus Vernunft seltener zum Glimmstängel. Er ist ihnen zu teuer

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