Paris will trotz harter Kritik Freundschaftsvertrag mit Algerien

17. Mai 2005, 22:37
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Präsident Bouteflika wirft dem kolonialen Frankreich Völkermord an der algerischen Bevölkerung vor

Paris/Algier - Nach Völkermord-Vorwürfen des algerischen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika gegen die ehemaligen französischen Kolonialherren hat sich das Außenministerium in Paris am Mittwoch um ausgleichende Worte bemüht. Die Aufarbeitung der Vergangenheit müsse im "gegenseitigen Respekt" und in "Sorge um die Wahrheit" erfolgen, erklärte Ministeriumssprecher Jean-Baptiste Mattei. Zugleich bekräftigte er, Frankreich wolle bis zum Jahresende einen Freundschaftsvertrag mit Algerien abschließen.

Vorwurf des Völkermords

Bouteflika hatte in einer Rede zum 60. Jahrestag der Massaker von Setif, bei denen im Osten Algeriens am 8. Mai 1945 zwischen 15.000 und 45.000 Algerier getötet worden waren, Frankreich für die Zeit der Kolonialherrschaft von 1830 bis 1962 "Ausrottung" und "Völkermord" vorgeworfen. In seiner Rede, die der algerische Präsident von Veteranen-Minister Mohammed Cherif Abbas vortragen ließ, zog Bouteflika einen Vergleich zwischen den Nazi-Krematorien und jenen Kalköfen, in denen Opfer der Massaker von Setif verbrannt worden waren.

Annäherung vorantreiben

Frankreich wolle die "Annäherung" mit Algerien "entschlossen vorantreiben", sagte Außenamtssprecher Mattei in Paris. Dazu sei eine "gemeinsame Erinnerungsarbeit" erforderlich, um "die Vergangenheit einschließlich der scherzhaftesten Seiten zu überwinden". Er erinnerte an die Worte des französischen Botschafters in Algerien, Hubert Colin de Verdière, der die Massaker von Setif am 27. Februar als "unentschuldbare Tragödie" bezeichnet hatte. (APA/AFP)

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