Sponsor soll Tierpark Herberstein retten

13. Mai 2005, 22:11
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Shoppingcenter Seiersberg greift Land unter die Arme und will Pacht für fünf Jahre übernehmen - 15 Jahre Pachtgelder fehlen noch

Graz – So aufgeräumt war die steirische Landeshauptfrau Waltraud Klasnic zuletzt selten zu beobachten. Der politische Wirbel um den von der Schließung bedrohten gräflichen Tierpark Herberstein hatte einigermaßen aufs Gemüt geschlagen.

Zuletzt lehnten alle anderen Parteien auch noch ihren Rettungsvorschlag ab, wonach das Land den Tierpark um eine jährliche Pacht von 306.000 Euro übernehmen soll. Am Mittwoch empfing Klasnic die Medienvertreter wieder mit einem lachendem Gesicht: Sie habe das Problem aus ihrer Sicht gelöst und einen Sponsor gefunden, der einen Teil der Pacht übernimmt.

Pacht für fünf Jahre

Die "Shoppingcity Seiersberg" – eine Einkaufsmeile im Süden von Graz mit einem jährlichen Umsatz von 260 Millionen Euro – wird demnach die Pacht für den Tierpark für zumindest fünf der 20 Pachtjahre übernehmen.

Da nur die Pachthöhe politisch strittig war, ist Klasnic nun optimistisch, dass die geplante Übernahme des Tierparks durch das Landesmuseum Joanneum im Landtag nun auch von den anderen Parteien unterstützt wird.

15 Jahre Pachtgelder fehlen noch

Von dort kam aber postwenden breite Ablehnung. SPÖ-Landeshauptmannvize Franz Voves hielt entgegen, dass trotz des Sponsorings noch immer rund 4,6 Millionen Euro für die restlichen 15 Jahre Pacht, sowie rund 24 Millionen Euro für den prognostizierten Abgang und notwendige Investitionen für das Land als kosten offen blieben. Die von Klasnic präsentierte Sponsoringvariante sei "noch lange nicht die Lösung des Problems", sagte Voves. Es müsse weitere Verhandlungen mit Schlossherrin Andrea Herberstein über eine Reduzierung des Pachtzinses geben, zumal die bisherigen Investitionen des Landes in Herberstein nicht berücksichtigt worden seien.

Scheinlösung

Scharf formuliert es Grünen-Chefin Ingrid Lechner- Sonnek: "Mit einer solchen Scheinlösung versucht sich die Landeshauptfrau um die Klärung des Herbersteinskandals herum zu schwindeln." Eine "reine Beruhigungspille" kritisierte auch FP-Landeshauptmannvize Leopold Schöggl. Wie Voves stößt sich Schöggl an den noch verbleibenden Millionenkosten, sollte das Land tatsächlich den Tierpark über das Landesmuseum Joanneum, das als Träger fungieren soll, übernehmen. (mue, DER STANDARD Printausgabe 12.5.2005)

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    306.000 Euro soll die jährliche Pacht des Tierpark Herbersteins kosten

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