Anerkennung von Berufsabschlüssen wird vereinfacht

16. Mai 2005, 19:03
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EU-Parlament gibt nach langen Debatten grünes Licht

Straßburg - DachdeckerInnen und ZahnarzthelferInnen, KlempnerInnen und ArchitektInnen, SkilehrerInnen und ChirurgInnen sollen künftig ihre Dienste leichter als bisher in der ganzen EU anbieten können. Darauf zielt eine Richtlinie zur gegenseitigen Anerkennung von Berufsabschlüssen ab, die das Europaparlament am Mittwoch nach jahrelangen Debatten unter Dach und Fach brachte.

Zwei Jahre Zeit zur Umsetzung

Die Abgeordneten stimmten in Straßburg mit großer Mehrheit einem mit dem Ministerrat ausgehandelten Kompromiss zu. Der Text muss nun noch formal von der Ministerrunde abgesegnet werden, was Abgeordneten zufolge in Kürze geschehen dürfte. Die EU-Staaten haben anschließend zwei Jahre Zeit, um die Richtlinie umzusetzen.

Die Neuregelung soll für alle Arbeitnehmer gelten - Angestellte, Selbstständige oder Freiberufler - die für ihre Arbeit eine bestimmte Qualifikation oder Lizenz nachweisen müssen. In Deutschland gelte dies etwa für 150 "regulierte Berufe", erläuterte der CSU-Abgeordnete Joachim Würmeling. Ist das Ausbildungsniveau in Heimat- und Gastland nicht identisch, muss der Arbeitnehmer ein Niveau vorweisen, das "direkt unter dem liegt", das im Gastland vorgeschrieben ist.

Nachweis der Berufspraxis

Wer nur vorübergehend in einem anderen EU-Land arbeiten will, muss eine mindestens zweijährige Berufspraxis in seinem Heimatland nachweisen. Wer sich im EU-Ausland niederlassen will, muss hingegen sechs Jahre zu Hause in seinem Beruf gearbeitet haben. Die Anerkennung der Abschlüsse ist als Ergänzung der Dienstleistungsrichtlinie gedacht, die derzeit noch im Europaparlament diskutiert wird.

Dank dieser Regelung würden die Chancen von Arbeitnehmern und Unternehmen deutlich verbessert, betonte Würmeling, einer der Koordinatoren für Binnenfragen im Europaparlament. Vor allem jungen Berufsabsolventen biete dies "handfeste Vorteile". Beispielsweise könnten deutsche Skilehrer künftig auch in Österreich arbeiten, was ihnen bisher verwehrt worden sei. Insgesamt werde die Richtlinie zu mehr Flexibilität auf dem europäischen Arbeitsmarkt führen.

Kritik an der Neuregelung hatten in Deutschland der Arbeitgeberverband (BDA), die Industrie- und Handelkammer (DIHK) sowie das Handwerk geübt. Sie fürchten eine Abwertung der deutschen Berufsabschlüsse. Kritisiert wurde vor allem, dass der Meisterbrief auf der fünf Stufen zählenden Qualifikationsskala nur auf Niveau zwei eingestuft werden soll. Unterdessen signalisierte die EU-Kommission jedoch, dass eine höhere Einstufung möglich ist. (APA/AFP)

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