Oskar Schindlers einstige Fabrik soll rekonstruiert werden

18. Mai 2005, 12:34
posten

Besuchergruppen wurden zuletzt vom Betreten der verfallenden Anlage abgehalten

Warschau/Krakau - Die Fabrik des deutschen Unternehmers Oskar Schindler, der im Zweiten Weltkrieg in Krakau mehr als 1200 Juden vor dem Holocaust rettete, soll restauriert werden. Ein Sprecher des Amts für Kommunalbauten bedauerte am Dienstag den derzeitigen Zustand des Gebäudes. Am Montag hatte die "Gazeta Wyborcza" berichtet, die Fabrik drohe zu verfallen. Zahlreiche Besuchergruppen aus Israel, den USA und anderen Staaten seien von Wachleuten vom Besuch des Geländes abgehalten worden, auf dem US- Regisseur Steven Spielberg Teile seines mit dem Oscar ausgezeichneten Films "Schindlers Liste" gedreht hatte.

"Niemand hat uns gesagt, dass so viele Gruppen kommen", sagte eine Sprecherin der Stadtverwaltung. Die Fabrik solle interessierten Besuchern offen stehen, versicherte sie. Auch das Krakauer Touristenbüro betonte, die Schindler-Fabrik müsse als touristische Sehenswürdigkeit genutzt werden. Mit einer Reinigungsfirma sei bereits vereinbart worden, die Fabrik, auf deren Gelände sich dem Zeitungsbericht zufolge Müll und Dreck häuften, aufzuräumen.

Zutrittsverbot

Das Krakauer Amt für Kommunalbauten hat vor wenigen Wochen die Zuständigkeit für die Schindler-Fabrik übernommen. Seitdem sei es dem Wachdienst verboten, Besucher auf das Fabrikgelände zu lassen.

Noch im vergangenen Jahr war überlegt worden, die Schindler-Fabrik für Ausstellungen über den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust zu nutzen. Oskar Schindler hatte 1939 im von Deutschland besetzten Krakau zwei jüdische Emaillewaren-Fabriken übernommen. Er nutzte seine guten Kontakte zu den nationalsozialistischen Behörden, um seine jüdischen Arbeiter vor der Deportation in die Vernichtungslager zu bewahren - die Männer, Frauen und Kinder, deren Namen auf Schindlers Arbeiter-Liste verzeichnet waren, überlebten den Holocaust. (APA/dpa)

Share if you care.