Rauch-Kallat: "Das Arzneimittelpaket wirkt"

11. Mai 2005, 14:50
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Ausgabensteigerung auf 3 Prozent reduziert - Weniger chefarztpflichtige Medikamente - Großpackungen für chronisch Kranke

Wien - "Das Arzneimittelpaket wirkt." Dieses positive Resümee des im Herbst 2003 beschlossenen Pakets zog Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (V) am Mittwoch in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Vorstandsvorsitzenden des Hauptverbandes, Erich Laminger. Die Qualität habe sich verbessert, die Transparenz erhöht und die Kostensteigerungen seien gedämpft worden.

Als drittgrößter Kostenfaktor nach dem Spitals- und dem niedergelassenen Bereich sind die Arzneimittel der drittgrößte Kostenfaktor. Dafür wurden im Jahr 2003 2,2 Milliarden Euro aufgewendet mit prognostizierten Steigerungen von sieben bis neun Prozent pro Jahr. Als Ziel hat man sich eine Steigerung von drei bis vier Prozent gesteckt. "Dieses Ziel haben wir erreicht", freute sich Rauch-Kallat. Für 2004 liege die Steigerungsrate bei etwa drei Prozent, wahrscheinlich sogar darunter. Für das erste Quartal 2005 wurde sogar eine Senkung um ein Prozent registriert, dabei wird es auf das Jahr hoch gerechnet aber nicht bleiben, Rauch-Kallat rechnet auch heuer mit einer Steigerung um drei bis vier Prozent.

Preisobergrenze

Erreicht wurden die Einsparungen durch die Einziehung des EU-Durchschnitts als Preisobergrenze, durch Industrierabatte, durch eine Senkung der Großhandelsspannen und der Apothekerspannen. Den dadurch erreichten Kostendämpfungseffekt für 2004 bezifferte Rauch-Kallat mit 117 bis 127 Mio. Euro. Darüber hinaus wurden mit Jahresbeginn 2005 der neue Erstattungskodex für Medikamente und die Neuregelung der Chefarztpflicht eingeführt. Der dadurch erreichte Kostendämpfungseffekt für 2004 und 2005 betrage 380 bis 390 Mio. Euro.

Die neue Chefarztpflicht, mit der nicht mehr die Patienten sondern die Ärzte die Bewilligung einholen müssen, funktioniert nach Einschätzung Rauch-Kallats "nach anfänglichen Schwierigkeiten" jetzt doch. "Es war klug beharrlich zu bleiben." Laminger verwies darauf, dass sich das Problem durch mehrere Maßnahmen des Hauptverbandes künftig nicht mehr so dramatisch darstellen wird. Von den rund 100 Millionen Verordnungen pro Jahr sind derzeit etwa fünf Mio. chefarztpflichtig. Ab 1. Juli werden es nur noch eine Mio. sein. Erreicht wird dies dadurch, dass künftig 127 Medikamente für chronisch Kranke nicht mehr bewilligungspflichtig sein werden. Für ältere Menschen sind 122 durch Erleichterungen bei der Facharztbeschränkung und 161 Medikamente bei der Altersbeschränkung nicht mehr bewilligungspflichtig.

Für den von den Ärzten kritisierten neuen Erstattungskodex mit dem Boxensystem für Medikamente kündigte Rauch-Kallat eine benutzerfreundlichere gedruckte Version bis spätestens 1. Juli an. Die alte Version sei mit Experten der Ärztekammer überarbeitet worden. Im Falle fehlerhafter Verschreibungen appellierte die Ministerin an den Hauptverband, auch im zweiten Quartal noch keine Sanktionen gegen die Ärzte zu verhängen. Laminger sicherte zu, sich dafür einzusetzen. Ab dem zweiten Halbjahr sollte das System dann klaglos funktionieren.

Die zuletzt abgeschafften Medikamenten-Großpackungen wird es für chronisch Kranke künftig wieder geben. Rauch-Kallat berichtete, dass sie seit Jahresbeginn den Hauptverband drei Mal darum gebeten und auch eine gesetzliche Regelung angeboten habe. Die Ministerin stellte aber an den Hauptverband die Frage warum in einer Monatspackung nur 28 und in einer Dreimonatspackung nur 84 Stück enthalten sind, obwohl nur der Februar 28 Tage hat. Laminger kündigte an, sich auch dieses Problems anzunehmen. (APA)

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