Börsenrat warnt vor Zerschlagung der Deutschen Börse

20. Mai 2005, 16:25
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Heftige SPD-Kritik an Friedrich Merz: "Die Heuschrecken haben jetzt ein Gesicht"

Hamburg/Berlin - Nach der Entmachtung der Führungsriege der Deutschen Börse hat sich Lutz Raettig, Vorsitzender des Börsenrates der Frankfurter Wertpapierbörse, besorgt über die Zukunft des Unternehmens gezeigt.

"Ich sehe keinen Grund, ein erfolgreiches Geschäftsmodell in Frage zu stellen und gar auf eine Zerschlagung oder eine Konzentration auf bestimmte Geschäftsfelder hinzuwirken", sagte der Chef des obersten Kontroll- und Aufsichtsorgans der Börse der "Financial Times Deutschland" (Mittwoch).

Kooperation mit Euronext

Der Hedge-Fonds TCI, der Börsen-Chef Werner Seifert gestürzt hatte, hatte am Dienstag eine Kooperation der Deutschen Börse mit der Vierländerbörse Euronext ins Gespräch gebracht.

Raettig kritisierte die Forderungen der angelsächsischen Fonds nach hohen Dividendenzahlungen: "Es werden möglicherweise Fragen gestellt werden, die sich mit den Konsequenzen einer besonders weit reichenden Ausschüttungspolitik befassen", sagte Raettig, der neben seiner Funktion im Börsenrat Aufsichtsratschef der Deutschlandtochter der US-Investmentbank Morgan Stanley ist.

Die Funktionsfähigkeit der Marktplätze für Eigen- und Fremdkapital müsse sichergestellt sein. "Mit dem Gut öffentlicher Interessen muss man sorgsam umgehen."

Wirtschaftsministerium besorgt

Auch die deutsche Bundesregierung zeigt sich besorgt über die Zukunft der Deutschen Börse. "Von den Akteuren muss verlangt werden, dass sie verantwortungsvoll mit dem Finanzplatz Frankfurt umgehen", sagte Wirtschaftsstaatssekretär Bernd Pfaffenbach dem "Tagesspiegel" (Mittwochausgabe).

In der SPD entzünde sich unterdessen heftige Kritik an der Rolle des CDU-Politikers Friedrich Merz, der als Anwalt den Großaktionär TCI vertritt und als neuer Aufsichtsrat der Deutschen Börse gehandelt werde, berichtete die Zeitung.

Die SPD-Finanzpolitikerin Nina Hauer sagte dem "Tagesspiegel", Merz beteilige sich an der Schwächung eines "sehr erfolgreichen deutschen Unternehmens" und müsse dem Bundestag Rechenschaft ablegen.

"Die Heuschrecken haben jetzt ein Gesicht"

Die von SPD-Chef Franz Müntefering angestoßene Debatte über Auswüchse des Kapitalismus werde hier für jedermann deutlich, sagte Hauer. "Die Heuschrecken haben jetzt ein Gesicht - Friedrich Merz." TCI hatte die bisherige Führung der Börse abgesetzt und strebt eine Fusion mit der Euronext-Börse in Paris an. (APA)

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