Gynäkologe fordert Brustkrebs-Früherkennungs-Programm

11. Mai 2005, 12:29
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Pro Jahr könnte das Leben von rund 500 Frauen gerettet werden

Wien - "Das ist eine Schande. Österreich ist das einzige Land der EU, das ein solches Programm nicht hat!" - Einen vehementen Aufruf, in Österreich sofort ein Brustkrebs-Screening-Programm mit regelmäßigen Einladungen zur Mammographie zu etablieren, richtete am Mittwoch der Wiener Mammakarzinom-Spezialist Ernst Kubista an die Öffentlichkeit.

Frauen ab 50

"Wir können stolz auf die Brusterhaltungsrate sein, die mit 75 Prozent die höchste weltweit ist... Nicht stolz können wir darauf sein, dass es für die Frauen zwischen dem 50. bis 70. Lebensjahr noch immer kein Mammakarzinom-Screening mit regelmäßigen Einladungen gibt... Nach wie vor erkranken rund 5.000 Frauen pro Jahr an Brustkrebs. 1.600 sterben daran. Wenn das Screening-Programm eingeführt wird, würde das pro Jahr 500 Frauen den Tod an Brustkrebs ersparen", sagte Kubista, Chef der Abteilung für Spezielle Gynäkologie an der Wiener Universitäts-Frauenklinik bei einer Pressekonferenz in Wien aus Anlass der bevorstehenden Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe.

Seit Jahren wird in Österreich über ein derartiges Programm, bei dem alle Frauen ab 50 alle zwei Jahre zu einer Früherkennungs-Mammographie schriftlich eingeladen werden sollen, diskutiert. Eine Studie des Österreichischen Bundesinstituts für Gesundheitswesen (ÖBIG) hat einen positiven Befund ergeben. Der Wiener Gynäkologe warnte vor weiteren Verzögerungen. Es sei unverständlich, dass man jetzt davon höre, ein solche Programm werde womöglich erst 2009/2010 implementiert werden.

Prioritäten

Unverständlich seien die bei der Verteilung öffentlicher Gelder verfolgten Prioritäten. Bei 18 Verkehrstoten auf der Packautobahn werde eine dritte Fahrspur gebaut, für einen Bruchteil des Geldes könnte man aber in der Brustkrebs-Früherkennung mehr Menschenleben retten. (APA)

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