Polen vergibt vierte UMTS-Lizenz

19. Mai 2005, 11:23
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Netia Mobile bot 83 Millionen Euro - Bei GSM-Ausschreibung ging Netia jedoch leer aus

Die polnische Gesellschaft Netia Mobile, die mit einem Unternehmen des Isländers Thor Bjorgolfsson kooperiert, hat überraschend die Ausschreibung einer vierten UMTS-Lizenz in Polen gewonnen. Netia bot mit 345 Mio. Zloty (82,8 Mio. Euro) mehr als dreimal soviel wie der favorisierte Mischkonzern Hutchison Whampoa aus Hongkong.

Größter Privater

Netia SA., die Muttergesellschaft von Netia Mobile, ist derzeit Polens größter privater Telefonanbieter im Festnetz. Sowohl bei der finanziellen Glaubwürdigkeit als auch bei der Bewertung der einschlägigen Erfahrung beurteilte die Kommission des nationalen Rundfunkrates Netia deutlich schlechter als die Mitbieter. Über den Zuschlag entschied also letztlich der angebotene Kaufpreis.

"Absurder Preis"

Die polnischen Analysten bewerten das Angebot von Netia völlig verschieden. "Dieser Preis ist absurd", sagt etwa Michal Marczak von der zur BRE Bank gehörenden Investitionsbank. Falls Netia nicht weitere Partner für ein Konsortium gewinnen könne, "sehe ich schwarz für Netia", so Marczak. Der Aufbau eines Mobilfunknetzes setze Investitionen von bis zu einer Milliarde Euro voraus.

"Vernünftiger Preis"

Nach Ansicht von Krzysztof Kaczmarczyk von der polnischen Vertretung der Deutschen Bank dagegen hat Netia einen "vernünftigen Preis" geboten. Als Beispiel nennt Kaczmarczyk die ungarische Matav, die im vergangenen Dezember eine ungarische UMTS-Lizenz für rund 150 Mio. Euro ersteigert habe. Während Matav pro Einwohner 15 Euro bezahlt habe, seien es im Falle von Netia nur 2,5 Euro.

Großes Fragezeichen

Dennoch steht ein großes Fragezeichen hinter dem Engagement von Netia. Die Gesellschaft beteiligte sich an einer parallelen Ausschreibung des polnischen Rundfunkrates, bei der eine GSM-Linzenz versteigert werden sollte. Hier erhielt Netia jedoch nicht den Zuschlag. "Wir müssen uns überlegen, ob angesichts dieser Situation die Investition sinnvoll ist", sagt Wojciech Madalski, Geschäftsführer von Netia. Bis kommenden Montag hat Netia Zeit, die UMTS-Linzenz tatsächlich zu beantragen.

"Plus", "Era" und "Idea"

An der Ausschreibung nahmen auch die bereits auf dem Markt vertretenen Mobilfunkanbieter, die Betreiber der Netze "Plus", "Era" und "Idea", teil. Aus deren Angeboten ist jedoch ersichtlich, dass sie den neuen Konkurrenten so lediglich zu einem höheren Preisgebot bewegen wollten. Die drei Offerte wurden auf Grund von Formfehlern verworfen.

Etwa 22 Mio. Polen verfügen inzwischen über ein Mobiltelefon. Die Firma PTC, Betreiber der Netze "Heyah" und "Era", erzielte im vergangenen Jahr einen Reingewinn von 830 Mio. Zloty (199 Mio. Euro). Polkomtel mit seinen Netzen "Plus GSM" und "Sami Swoi" verdiente 660 Mio. Zloty und Centertel, Betreiber des Netzes "Idea", 450 Mio. Zloty.(APA)

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Netia SA.

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