Über 1000 Flüchtlinge vor Sizilien aufgegriffen

12. Mai 2005, 21:52
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Es gibt nur Platz für 190 Flüchtlinge - Katastrophale Zustände im völlig überfüllten Aufnahmelager der Insel Lampedusa

Rom - "Alarmstufe Rot" auf der süditalienischen Insel Lampedusa, auf der binnen 24 Stunden mehr als 1.000 Flüchtlinge gelandet sind. Katastrophale Zustände herrschten im Aufnahmelager der Insel, in der die meisten Immigranten untergebracht worden sind. In der Nacht auf Donnerstag kam es zu einer Revolte: Acht Immigranten flüchteten, in der Hoffnung, nicht aus Italien abgeschoben zu werden.

Es gibt nur Platz für 190 Flüchtlinge

Das Lager in Lampedusa beherbergt zur Zeit über 800 Immigranten, Platz gibt es eigentlich nur für 190. "Die hygienische Lage ist schwierig, ein Großteil der Flüchtlinge muss so rasch wie möglich in den Aufnahmezentren in Sizilien untergebracht werden, wollen wir die Lage entlasten", meinte der Bürgermeister von Lampedusa, Bruno Siracusa. Er bangt auch um die Touristen auf der Insel. "Wir sind eine Ferieninsel, doch die Massenlandungen dieser Tage gefährden unser Image als Urlaubsparadies", so Siracusa.

Die Menschenrechtsorganisation amnesty international mahnte, die Rechte der hunderten von Flüchtlingen zu respektieren. Sie rief Italien auf, die internationalen Verpflichtungen in punkto Asylrecht zu erfüllen.

Die sizilianischen Behörden baten Rom um Unterstützung bei der Bewältigung der humanitären Notstandslage. Laut italienischen Geheimdiensten warten Tausende Menschen an den libyschen Küsten auf die Abfahrt nach Italien, berichtete die römische Tageszeitung "La Repubblica" am Donnerstag.

Scharfe Diskussionen

Der massive Flüchtlingsstrom sorgte für scharfe Diskussionen auch in Rom. "Wo bleiben die Effekte des Anti-Immigrations-Abkommens, das Regierungschef Berlusconi mit Libyen abgeschlossen hat? Italien kann sich von dem regellosen Immigrationsstrom nicht überfluten lassen", protestierte der Abgeordnete der Lega Nord, Federico Bricolo. Auch Menschenrechtsorganisationen und das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge schlugen Alarm.(APA)

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