Präsident Karzai fordert von NATO weitere Hilfe

13. Mai 2005, 13:28
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Gespräche über Verstärkung der Truppenpräsenz und Aufstockung der Wiederaufbau-Teams - Alliierte rechnen mit Taliban-Großangriff

Brüssel/Kabul/Washington - Der afghanische Präsident Hamid Karzai hat die NATO aufgefordert, die Sicherheit in seinem Land in den kommenden Jahren mit militärischen Mitteln zu gewährleisten. "Auch nach den Parlamentswahlen im September ist die Verantwortung der internationalen Gemeinschaft und der NATO noch nicht beendet", sagte Karzai am Mittwoch vor dem NATO-Rat in Brüssel. "Ich bitte Sie, auch nach den Wahlen bei uns zu bleiben", fügte er hinzu.

NATO soll US-Truppen ablösen

Seine Regierung gehe davon aus, dass in den kommenden Jahren die NATO an die Stelle der USA trete, um die Sicherheit in Afghanistan zu garantieren.

Der scheidende Oberkommandierende der US-geführten Koalitionsstreitkräfte in Afghanistan, US-General David Barno, hatte erklärt, er gehe davon aus, dass die Taliban-Aufständischen vor den geplanten Parlamentswahlen einen Großangriff versuchen könnten. Die Kabuler Führung hatte dem untergetauchten Taliban-Führer Mullah Omar, einem engen Vertrauten von Al-Kaida-Chef Osama Bin Laden, eine Amnestie angeboten, die dieser bereits zurückgewiesen hat.

Bei den schwersten Kämpfen seit Monaten waren in der vergangenen Woche mindestens 66 mutmaßliche Rebellen und 19 afghanische Soldaten im Süden Afghanistans getötet worden. Auch die US-Truppen hatten Verluste zu beklagen.

Karzai hatte am vergangenen Wochenende eine "nationale Konferenz" mit rund 600 Teilnehmern nach Kabul einberufen, um über eine "strategische Partnerschaft" mit den USA zu entscheiden. Eine langfristige Stationierung ausländischer Truppen dürfte bei Islamisten im Land, aber auch in Nachbarstaaten auf Ablehnung stoßen. Afghanistan grenzt an den Iran, von der US-Regierung als Teil der "Achse des Bösen" bezeichnet, an die Volksrepublik China, an Staaten der früheren Sowjetunion und an Pakistan.

Der von Hamburg für diesen Mittwoch geplante deutschlandweite Start der Abschiebung von Afghanen ist gescheitert. Von sechs Männern, die zwangsweise außer Landes gebracht werden sollten, werde nur ein inhaftierter Straftäter ausgeflogen. Ein Sprecher der Innenbehörde sagte, der Kriminelle hätte auch ohne die seit dem 1. Mai geltende Aufhebung des bundesweiten Abschiebestopps für Afghanen ausreisen müssen. Von den fünf anderen allein stehenden jungen Männern hätten vier Asyl- oder Petitionsanträge gestellt. Bis zur Klärung der Anträge dürften sie nicht abgeschoben werden. Die Grünen-Politikerin Antje Möller war nach Afghanistan gereist, um sich ein Bild der Lage der aus Deutschland zurückkehrenden Flüchtlinge zu machen. "Die Chancen, hier Fuß zu fassen, sind für diese Menschen gleich Null", erklärte Möller in Kabul. (APA/AP/dpa/Reuters)

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    Hamid Karzai bei NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer.

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