Klavierspiel und Mord

18. Mai 2005, 15:18
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Alfred R. verbrachte seine Pension mit knapp volljährigen Mädchen - Gerichtsgeschichte

Wien – Zwei junge Pärchen stehen wegen Doppelmordes vor Gericht. – Ein ungleiches Paar wurde erschlagen. Alfred R., ein 75- jähriger Baumeister, spielte am 16. Juni 2004 abends in seiner Wohnung in Wien- Landstraße noch Klavier. Vielleicht saß Erika, seine 22-jährige slowakische „Braut“, wie sie sich selbst bezeichnete, sogar neben ihm, als jener „stumpfe Gegenstand“ (der noch nicht gefunden wurde) von hinten auf beide Köpfe niederging. Nachbarn hörten erst Musik, dann Schläge, dann Röcheln.

Lebenslust

„Die Fotos der Leichen sind scheußlich“, warnen die Verteidiger. Die Geschworenen sollen sich davon aber nicht beeinflussen lassen: Alle vier Angeklagten seien unschuldig. Über den Baumeister heißt es, er sei „lebenslustig“ gewesen. Da er ein Mordopfer ist, belässt man es vorerst bei dieser Formulierung.

„Lebenslustig“ heißt, dass er seine Pension mit knapp volljährigen Mädchen aus dem Ostblock verbrachte, die man, je nach Geschmack, als Prostituierte, Bedienerinnen, Geliebte oder eben „Bräute“ ansehen konnte. Die letzte aus der Serie war Erika, die sich mit der Lebenslust des Baumeisters gar ihr Studium finanziert hatte. Die vorletzte, länger währende war Jana, heute 21, klein, dünn, blass und in ernster Lage. Sie soll den Raubmord eingefädelt, ihr Partner zugeschlagen haben.

Ihr Argument dagegen: Sie und Mario waren an jenem Tag weder in der Wohnung des Opfers noch in Wien. Da gibt es Widerspruch aus den eigenen Reihen (in der Anklagebank). Janas Schwester Maria und Schwager Roman erinnern sich sehr gut an den gemeinsamen „Ausflug“. Der Grund für die Reise soll der beabsichtigte Umtausch eines kaputten DVDPlayers gewesen sein (zu dem es dann aber doch nicht kam). Da sei Jana auf die Idee gekommen, man könne „einen alten Kameraden“ besuchen, den Baumeister.

Tatsächlich sei man eine Weile nett beisammen gesessen, habe ein paar Gläser Rotwein getrunken. (DNA bestätigt.) Der Alte habe den Burschen noch stolz sein Fotoalbum gezeigt: junge Slowakinnen in Reizwäsche. (Jana war nicht darunter.) Und dann sei man wieder gegangen. Am Abend vor der Rückfahrt nach Bratislava hätten Jana und ihr Freund noch kurz ein zweites Mal beim „Kameraden“ vorbeigeschaut. Von einem Raubmord sei dem zweiten Pärchen aber nichts bekannt. Der Prozess geht am Donnerstag weiter. (Daniel Glattauer, DER STANDARD Printausgabe, 11.05.2005)

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