Auch viele Babys machen noch keinen Boom

25. Mai 2005, 21:52
44 Postings

Trotz positiver Geburtenbilanz werde Österreichs Bevölkerung überaltern, meinen Demographen

Wien – Es sind zwar erst die vorläufigen Zahlen für das Jahr 2004, doch am Trend werde sich laut Statistik Austria nichts mehr ändern. 77. 991 Geburten stehen 73.704 Sterbefälle in Österreich gegenüber.

Schlusslicht Steiermark

Aufgeschlüsselt nach den Bundesländern fällt die Geburtenbilanz ( Lebendgeborene minus Sterbefälle) in Oberösterreich am besten aus. Ein Plus von 2013 Geburten wurde beim statistischen Landesamt registriert. An zweiter Stelle liegt Tirol (+1956), gefolgt von Vorarlberg (+1614), Salzburg (+1223) und Wien (+632). Im Osten Österreichs hingegen starben voriges Jahr mehr Menschen, als Babys geboren wurden. Schlusslicht bildet die Steiermark mit einem Minus von 1076 in der Geburtenbilanz (an vorletzter Stelle liegt Niederösterreich vor dem Burgenland und Kärnten).

Für dieses Ost-West-Gefälle hat Josef Kytir, stellvertretender Leiter der Direktion Bevölkerung bei Statistik Austria, folgende Erklärung: „In den westlichen Bundesländern sind die Kinderzahlen in den Familien höher. Das gilt für die Geburtenjahrgänge zwischen den 70er- und 80er-Jahren.“ Deshalb gebe es dort jetzt mehr junge Erwachsene und somit potenzielle Eltern. Ob die Tatsache, dass die Frauen immer länger zuwarten, bis sie Kinder bekommen, jetzt für das österreichweite Geburtenplus verantwortlich ist, vermag der Statistiker nicht zu beantworten.

Wien ist anders

Die sich im vorigen Jahr abgezeichnete positive Bevölkerungsentwicklung in Österreich werde aber nicht so bleiben. Für Kytir ist „demografisch absehbar“, dass die Überalterung kontinuierlich zunehme, da die Lebenserwartung bundesweit weitersteige und die Kinderzahl pro Frau rückläufig sei. 1992 lag das durchschnittliche Gebäralter bei 27,3 Jahren, zehn Jahre später bei 29,3 Jahren. Mit einer Ausnahme: Wien, dort laufe die Entwicklung dem Bundestrend entgegensetzt.

Die Statistik Austria rechnet damit, dass in den nächsten 15 Jahren die positive Geburtenbilanz anhalten werde. Auch dafür liefere die demografische Entwicklung oder besser gesagt die Geschichte die Erklärung. Zu Beginn der 50er-Jahre betrug der Altenanteil in Wien 28 Prozent. Derzeit liegt der Bundesdurchschnitt bei 22 Prozent. Dieser hohe Anteil in der Bundeshauptstadt werde mit jedem Jahr niedriger. Gab es in Wien in den 70er-Jahren noch rund 28.000 Sterbefälle pro Jahr, waren es 2004 nur noch 15.835.

Doch nicht nur der Tod alter Menschen führte zur Verjüngung der Stadt. Es zieht junge Leute in die Bundeshauptstadt, sowohl junge Zuwanderer als auch Inländer. Dieser Trend wiederum ist für Kytir der Grund für die steigenden Geburtenzahlen. Im Vergleich zu 2003 registrierte das Standesamt im vorigen Jahr um 1,9 Prozent mehr Geburten. Diese Tendenz in Wien „kann die Angst vor dem demografischen Altern nehmen“, meint Kytir. „Wien ist seiner Zeit voraus.“ Aus der einst überalterten Stadt werde in den nächsten Jahren jene mit den jüngsten Einwohnern in Österreich. (Kerstin Scheller, DER STANDARD Printausgabe, 11.05.2005)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.