Spätes Gedenken an die Opfer der Euthanasie

11. Mai 2005, 16:14
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Graz: Mehr als 60 Jahre zu spät wird der 1760 ermordeten Patienten gedacht

Graz – Spät, sehr spät wurden die Archive in der Grazer Landesnervenklinik vor einigen Jahren geöffnet. Jahrzehntelang hatte es geheißen, die Dokumente aus der NS-Zeit seien vernichtet worden. Die Öffnung der Akten, die hinter versperrten Kästen versteckt waren, dokumentierten grauenvolle Statistiken: In der Steiermark und dem heutigen Ostslowenien wurden 1400 erwachsene Patienten und 360 Kinder ermordet.

Erst jetzt, mehr als 60 Jahre danach, soll dieser Euthanasieopfern gedacht werden. Der steirische Spitalslandesrat, Wolfgang Erlitz, brachte in der letzten Sitzung der Landesregierung den Antrag für die Errichtung eines Mahnmales für Opfer der Euthanasie ein. Es sei „höchste Zeit für ein sichtbares Zeichen des Gedenkens“, sagte der Landesrat.

Das geplante Gedenkprojekt umfasst eine Garteninstallation des Gartenarchitekten Janos Koppandy am Gelände der Landesnervenklinik Sigmund Freud sowie eine Gedenkstätte an der Universität Graz. Das zweigeteilte Denkmal wird im Spätherbst durch Bundespräsident Heinz Fischer eröffnet. (mue, DER STANDARD Printausgabe, 11.05.2005)

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