Gudenus ein "wilder" Abgeordneter

10. Mai 2005, 19:29
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Bundesrat will auch bei Ausschluss aus dem Klub sein Mandat behalten

Wien - John Gudenus denkt überhaupt nicht an einen Rücktritt, sagt er. Aus der FPÖ ist der 64-Jährige bereits selbst ausgetreten, aus dem freiheitlichen Parlamentsklub, dem er als blauer Bundesrat bisher angehörte, sollte er am Dienstag ausgeschlossen werden. Sein Mandat will er weiter wahrnehmen. "Ich habe da keine Meinungsänderung." Damit wäre Gudenus ein "wilder" Abgeordneter.

Gudenus war am 27. April aus der FPÖ ausgetreten, nachdem er in einem ORF-Interview neuerlich die Existenz von Gaskammern relativiert und eine Prüfung gefordert hatte, ob es diese überhaupt gegeben habe. Damit ersparte er zwar der FPÖ die gröbsten Scherereien, da diese nun nicht mehr für ihn verantwortlich war, musste es sich aber dennoch gefallen lassen, dass der Wiener Landtag auch mit den Stimmen der FPÖ-Abgeordneten seinen Rückzug aus der Länderkammer forderte. Für Gudenus ein "erbärmliches Verhalten".

Dass ihm Klubchef Herbert Scheibner den Ausschluss angedroht hat, hat Gudenus nach eigenen Angaben aus den Medien erfahren. "Herr Scheibner hat mit mir nicht darüber gesprochen."

Ein anderer Bundesrat, Siegfried Kampl vom BZÖ, hatte NS-Deserteure als Kameradenmörder bezeichnet und die brutale Nazi-Verfolgung nach Kriegsende beklagt. Er war als Bundesrat zurückgetreten - noch bevor er planmäßig als Vertreter Kärntens im Juni den Vorsitz im Bundesrat hätte übernehmen können. In Kärnten wird daher jetzt nach einem Nachfolger für Kampl gesucht, die größten Chancen werden Landtagspräsidenten Jörg Freunschlag eingeräumt, eine Entscheidung soll diese Woche fallen. Kampl bleibt Bürgermeister der Kärntner Gemeinde Gurk. (völ/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.5.2005)

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