SkyEurope expandiert mit Boeing-737

27. Mai 2005, 19:09
14 Postings

32 neue Jets sollen beim Billigflieger mit Sitz in Bratislava teils die jetzige Leasingflotte ersetzen und einen Kapazitätsschub bringen

Wien – Mit der größten Flugzeugbestellung, den je eine mitteleuropäische Fluglinie tätigte, startet die in Bratislava beheimatete SkyEurope in den nächsten Jahren auf dem Billigmarkt durch. Am Dienstag unterschrieb SkyEurope mit Boeing einen Vertrag über die Lieferung von insgesamt 32 Jets des Typs 737-700, eine 149-sitzige Mittelstreckenmaschine, erklärte SykEurope-CEO Christian Mandl.

16 davon wurden fix bestellt, für 16 weitere hat SkyEurope Kaufoptionen – auch zum Umstieg auf einen anderen Typ, falls dies aufgrund der Marktentwicklung sinnvoll sei. Der Listenpreis für die 16 fix platzierten Kauforders beträgt 880 Mio. Dollar (685 Mio. Euro), für den gesamten Vertrag 1,76 Mrd. Dollar.

Boeing-Brückenkopf

"Wir sind sehr, sehr happy mit diesem Deal", erklärte Marlin Dailey, Boeing-Vizepräsident für Europa. "Happy" ist Boeing nicht nur wegen des Auftragsvolumens, sondern weil der US-Hersteller damit mitten im Airbus-Herzland einen Brückenkopf errichten konnte. Der Bekanntgabe waren in den letzten Monaten zahlreiche weitere Boeing-Verkäufe, auch bei Airbus- Kunden, vorangegangen.

Mandl sieht SkyEurope damit positioniert, "Ryanair oder EasyJet für Zentral- und Osteuropa zu werden". Mit der laufenden Auslieferung der Boeings ab nächstem Jahr mustert SkyEurope seine bisherigen Flieger anderer Typen aus und wandelt sich in eine reine 737-Flotte. Damit kann die Billiglinie ihre Kosten wesentlich senken: Einerseits durch einfacheres Flottenmanagement, andererseits durch günstige Betriebskosten der "Next Generation 737", die bei zahlreichen Billigfluglinien das Rückgrat ist. Nach Angaben von Boeing hält die 737, die seit 1994 gebaut wird, bei Low-Cost-Airlines einen Marktanteil von 62 Prozent.

Für SkyEurope sieht Mandl rosige Zeiten voraus: In den vergangenen zwölf Monaten (bis Ende April 2005) stieg die Zahl der Passagiere um 330 Prozent von rund 300.000 auf 1,2 Millionen Personen. Und das Marktpotenzial verspreche starkes Wachstum: Derzeit ist die Flugquote der Bevölkerung (Zahl der getätigten Flüge pro Kopf der Bevölkerung) im "Neuen Europa" nur ein Fünftel der EU-15. "Es findet eine Änderung des Verhaltens statt, die Leute wechseln von Bus und Bahn auf Flüge", beschreibt Mandl.

"Ein Flughafen im Raum Wien"

Trotzdem bleibe Österreich ein wichtiger Herkunftsmarkt, der derzeit einen Anteil von 20 bis 30 Prozent der Passagiere ausmache. Straßen- und Bahnausbau nach Bratislava, künftig entfallende Grenzen und die Aussicht auf den Euro: Damit würde Bratislava einfach "ein Flughafen im Raum Wien", der so leicht zu benutzen sei wie Schwechat. (Helmut Spudich, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.5.2005)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    SkyEurope-CEO Christian Mandl sieht sein Unternehmen gut positioniert.

Share if you care.