Austro Control: Schnellere Gebührensenkungen durch mehr Überflüge

27. Mai 2005, 19:09
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Umsatz stieg um acht Prozent, Gewinn 2004 mehr als verdoppelt - Baubin: Luftfahrtkrise endgültig überwunden - Gebühren "in Kürze" im Mittelfeld

Wien - Die für die Überwachung des österreichischen Luftraums verantwortliche Austro Control hat im Geschäftsjahr 2004 deutlich mehr Überflüge verzeichnet und in der Folge auch Umsatz und Gewinn gesteigert. Die Flugbewegungen in Österreich stiegen um knapp 10 Prozent auf rund 950.000, der Umsatz wuchs um 8 Prozent auf 205,1 (2003: 190,5) Mio. Euro. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) stieg auf 8,3 Mio. Euro und hat sich damit gegenüber 2003 (3,6 Mio. Euro) mehr als verdoppelt.

"Krise überwunden"

"Das Jahr 2004 zeigt, dass die Krise der internationalen Luftfahrt wirklich überwunden ist", sagte Austro Control-Vorstandsvorsitzender Christoph Baubin am Dienstag bei der Bilanzpressekonferenz in Wien. Die Erholung des Luftverkehrs sei deutlicher ausgefallen als erwartet. Der Löwenanteil der Umsätze - 179 Mio. Euro - wurden im Kerngeschäft Air Navigation Services erzielt, dazu kamen noch Leistungen für das Verkehrs- und das Verteidigungsministerium.

Angesichts dieses Ergebnisses will Baubin die Überflugsgebühren von derzeit 68,47 Euro je "Service Unit" - 100 Kilometer für ein Flugzeug mit 50 Tonnen Abfluggewicht (MTOW) - rascher absenken als bisher geplant. Wenn der bisherige positive Trend bei den Verkehrszahlen anhält, soll es noch heuer "eine spürbare Senkung" geben. Mittelfristiges Ziel ist vorerst ein Wert um 60 Euro, Baubin will die Gebühren schon "in Kürze" im europäischen Mittelfeld positionieren. Die teuersten Überfluggebühren haben aktuell die Schweiz (86,3 Euro), Belgien (83,65) und Großbritannien (82,58), zu den billigsten zählen die Türkei (28,32), Tschechien (26,45) oder Portugal (14,8 Euro).

Starker Zuwachs bei Flugbewegungen

In den ersten Monaten 2005 hat sich die positive Entwicklung des Flugverkehrs in und über Österreich fortgesetzt. Die Zahl der Flugbewegungen (+11,6 Prozent) und der erbrachten Service Units (+12,4 Prozent) stieg deutlich über dem europäischen Durchschnitt.

Der Gewinn verbleibt nach Entscheidung des Eigentümers Verkehrsministerium im Unternehmen und soll hauptsächlich in Rückstellungen für Sozialverbindlichkeiten fließen. Die Austro Control, die den österreichischen Luftraum überwacht und Überflüge, Starts und Landungen der Airlines koordiniert, verbesserte ihre Produktivität 2004 um 11 Prozent. Die Eigenkapitalquote stieg auf den Rekordwert von 25,4 Prozent. Die Aufwendungen erhöhten sich um 5,6 Prozent, der Personalaufwand um 3,1 Prozent. Die Zahl der Mitarbeiter wurde weiter leicht zurückgefahren und liegt aktuell bei gut 900, darunter ein Drittel Fluglotsen. Bis 2010 peilt das Unternehmen einen Mitarbeiterstand von 840 Personen an, wobei die Zahl der Fluglotsen nicht reduziert, sondern im Gegenteil erhöht werden soll.

Dritte Piste gefordert

Baubin forderte heute neuerlich die rasche Errichtung einer dritten Piste am Flughafen Wien. Ein solcher Ausbau würde schon heute Sinn machen, zumal von den beiden bestehenden Pisten nur etwa anderthalb benutzt werden könnten.

Inhaltliche Weichenstellungen für das Projekt einer gemeinsamen Luftraumüberwachung für Mitteleuropa - Central European Air Traffic Services Projekt (CEATS) - erwartet Baubin von einer Sitzung der zuständigen Verkehrsminister am 1. Juni in Wien. Der Zusammenschluss der oberen Lufträume von Österreich, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Slowenien, Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Italien mit Sitz in Fischamend bei Wien soll Kosteneinsparungen gegenüber der bisherigen Situation bringen. Spätestens Ende 2009 soll Fischamend erstmals operativ werden, drei Jahre später soll der Vollbetrieb laufen. (APA)

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