Ostdeutschland: Immer weniger Menschen lesen Tageszeitung

17. Mai 2005, 20:50
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Zeitmangel und geändertes Leseverhalten als Ursachen

In Ostdeutschland lesen immer weniger Menschen regelmäßig eine Tageszeitung. Das hat eine am Dienstag veröffentlichte Studie des Leipziger Instituts für empirische Forschung ergeben. Demnach ging die Zahl der regelmäßigen Leser (mehrmals pro Woche) von 71 Prozent vor fünf Jahren über 62 Prozent 2003 auf nur noch 58 Prozent im vergangenen Jahr zurück. Umgerechnet entspreche dies einem Rückgang von rund 400.000 Lesern allein im Vorjahresvergleich.

Für die Studie "Medien 2005" wurden den Angaben zufolge 1.200 repräsentativ ausgewählte Einwohner im Alter ab 16 Jahren aus den neuen Bundesländern und Berlin befragt. Wie Institutsleiter Harald Schmidt erläuterte, bezieht sich das rückläufige Interesse am Zeitungslesen nicht nur auf Kaufzeitungen, sondern auch auf die kostenlos an Haushalte verteilten Anzeigenzeitungen. Hochgerechnet hätten 2004 etwa 308.000 Ostdeutsche weniger eine kostenlose Anzeigenzeitung zur Kenntnis genommen als ein Jahr zuvor.

Ursachen

"Die Ursachen für den starken Rückgang der Leserzahl sind vielfältig", erklärte Schmidt. Sehr stark wirkten sich der Mangel an Geld oder Zeit aus. Aber es wachse auch das grundsätzliche Desinteresse am Lesen von Zeitungen. So sei die Zahl der Nichtleser, die ihr Desinteresse bekundeten, binnen Jahresfrist von 18 auf 22 Prozent gestiegen. Stärker als in den Vorjahren wichen bisherige Leser von Printmedien auf andere Informationsquellen aus. 18 Prozent der Nichtleser von Zeitungen begründeten den Angaben zufolge damit ihren Verzicht. Ein Jahr zuvor waren es nur zwölf Prozent.

Allerdings betonten mit 69 Prozent mehr als zwei Drittel der Internet-Nutzer, dass sie auch regelmäßig eine Zeitung lesen. Im Jahr zuvor waren es indes noch 75 Prozent. "Das bestätigt den 'schleichenden' Trend zur veränderten Mediennutzung", interpretierte der Soziologe Schmidt. Im Übrigen würden mit zunehmendem Alter und höherer Bildung mehr Zeitungen und Zeitschriften gelesen. 83 Prozent der über 65-Jährigen, aber nur 48 Prozent der 16- bis 19-Jährigen gehören der Studie zufolge zu den regelmäßigen Zeitungslesern. Vor allem Selbstständige, leitende Angestellte und Rentner bleiben der Zeitung treu. Unterschiede gibt es aber auch bei den Bundesländern. Zum Beispiel lesen 74 Prozent der Sachsen, aber nur 65 Prozent der Berliner regelmäßig eine Zeitung.

Regionale und globale Themen liegen vorn

Bei den Themen, die in der Zeitung gefragt sind, liegen regionale und globale Nachrichten noch immer vorn. 79 Prozent der ostdeutschen Leser interessieren sich stark für regionale und 74 Prozent für Weltnachrichten. Weitere wichtige Themen sind Soziales, Politik, Verbraucher-Tipps und Gesundheit, gefolgt von Reisen und Kultur. Wieder stark zugenommen habe auch das Interesse an Wirtschaftsthemen: Die Zahl der Befragten, die sich dafür nach eigenen Angaben stark interessieren, wuchs gegenüber dem Vorjahr von 24 auf 38 Prozent. Wichtig sind für viele Leser auch Themen wie Tiere, Sport und Recht, aber auch Bildung und Technik. (APA)

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