Protest von Klaus ohne großes Echo

25. Mai 2005, 18:07
1 Posting

Kritik in Polen an Putins Festrede

Prag/Warschau - Der formelle Protest des tschechischen Präsidenten Václav Klaus bei den Moskauer Siegesfeiern am Montag gegen die Verleihung eines Ordens an den früheren polnischen Präsidenten Wojciech Jaruzelski durch Russlands Staatschef Wladimir Putin hat vorerst nur verhaltende Reaktionen ausgelöst. Wie berichtet, hatte Klaus in einer persönlichen Erklärung an Putin daran erinnert, dass Jaruzelski 1968 bei der Invasion der damaligen Tschechoslowakei durch Warschauer-Pakt-Truppen polnischer Verteidigungsminister gewesen sei. Damit stelle er für die Tschechen ein "Symbol des Einmarsches" dar.

Der neue tschechische Premierminister Jirí Paroubek unterstützt die Haltung von Klaus, hätte aber seinen Worten zufolge eine "etwas andere, diplomatischere Form" gewählt. Er habe mit Klaus vor dessen Abflug nach Moskau über Jaruzelskis Auszeichnung gesprochen.

"Gutes mit Schlechtem"

Zur Person Jaruzelskis, dessen Verdiensten im Krieg und seiner Rolle bei der Niederschlagung des "Prager Frühlings" sagte Paroubek: "So ist es eben, dass sich in einer einzigen Persönlichkeit Gutes mit Schlechtem verbindet."

Vorbehaltlos unterstützt wird die Auszeichnung Jaruzelskis von den tschechischen Kommunisten. Deren Vize-Chef Václav Exner meinte, der General sei für seine Taten im Krieg ausgezeichnet worden, nicht für das, was er später getan habe.

In der polnischen Öffentlichkeit spielte das Thema zunächst praktisch keine Rolle. Stattdessen gab es in den Medien und von zahlreichen Politikern teils scharfe Kritik an Putin, weil dieser in seiner Rede die Rolle Polens bei der Niederwerfung Hitlerdeutschlands überhaupt nicht erwähnt hatte. (rsr, gl, red/DER STANDARD, Printausgabe, 11.5.2005)

Share if you care.