Knalleffekt beim Seebühnen-U-Ausschuss

17. Mai 2005, 12:02
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210.000 Euro für Renato Zanella

Klagenfurt - Das Finanzdebakel um die Klagenfurter Seebühne wird jetzt im Kärntner Landtag ausgeleuchtet. Schon bei der ersten öffentlichen Sitzung des Untersuchungsausschusses kam es zu einem Knalleffekt. Doch-Nicht-Intendant Renato Zanella soll eine Abschlagszahlung von 150.000 Euro erhalten haben. Das bestätigte der frühere Geschäftsführer der Seebühnen-Betreibergesellschaft, einer 100-prozentigen Landestochter, Bernhard Sapetschnig, der am Dienstag als Zeuge aussagen musste. Und er bestätigte auch, dass Landeshauptmann Jörg Haider den üppig dotierten Dienstvertrag mit Zanella ausverhandelt habe.

Sapetschnig sagte aus, er habe lediglich den Rahmenvertrag übermittelt bekommen. "Ich habe vom Eigentümervertreter die Weisung erhalten, den Vertrag so abzuschließen, wie er ausverhandelt wurde", so Sapetschnig, der dann - ebenfalls per Weisung - seine Unterschrift unter den Vertrag setzte.

Der Zanella-Dienstvertrag, sah bekanntlich eine Jahresgage von 189.000 Euro nebst 30.000 Euro Spesen plus Dienstwohnung plus Diensthandy (inklusive Privatgespräche) vor. Sapetschnig betonte, er selbst habe "wenigstens gewisse Kontrollmechanismen" in den Zanella-Vertrag hineinreklamiert. So sei man in der Vorvereinbarung von einer unbefristeten Vertragsdauer ausgegangen, auch habe erst eine Mindestanwesenheitszeit des Intendanten festgelegt werden müssen. Zanellas Vertrag wurde nach dessen Bekanntwerden einvernehmlich aufgelöst.

Landeshauptmann Jörg Haider wies Sapetschnigs Darstellung gegenüber dem STANDARD zurück. Sapetschnig sei als alleiniger Geschäftsführer auch alleiniger Verantwortlicher für die Vertragsgestaltung und die Weisung zur Umsetzung sei vom Eigentümerverteter, also Ex-LHstv. Karl Pfeifenberger gekommen. Daher sei es von Sapetschnig "sachlich falsch und menschlich nicht korrekt", seine Versäumnisse dem Landeshauptmann zuschieben zu wollen.

Zanella erhält laut Aussagen des Sapetschnig-Nachfolgers Werner Bilgram aber auch noch 60.000 Euro aus seinem auslaufenden Konsulentenvertrag. 90.000 Euro müssten schließlich noch an den 2002 in die Cine Culture Carinthia geholten Manfred Lukas Luderer ausbezahlt werden, der für die Akquisition von Filmproduktionen angeheuert worden war. Wie viel Steuergeld 2004 insgesamt in die Seebühne geflossen ist, blieb bisher offen. Die nächste Ausschuss-Sitzung ist für 19. Mai geplant. Zanella hat sein Kommen zugesagt. (DER STANDARD, Printausgabe, 11.05.2005)

Von Elisabeth Steiner
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