Metropolen als konkurrierende Partner

11. Mai 2005, 10:23
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Klaus Bachler wechselt in ein hochkarätiges Musikzentrum und muss über Kooperationen mit Wien entscheiden

München - Wien wird, zumal wenn die lokale Politik ins Schwärmen gerät, ganz schnell zur Welthauptstadt der Musik. Und zweifellos: Betrachtet man die Liste seiner musizierenden Gäste, ist zumindest der Schluss zulässig, dass sich kein Vertreter der obersten Klassikliga nehmen lassen will, regelmäßig hier vorbeizuschauen.

Nimmt man hingegen "Sesshaftigkeit" als Kriterium, schneidet Wien nicht sonderlich gut ab. Außer Dirigent Seiji Ozawa (Musikchef der Wiener Staatsoper) ist zurzeit niemand fix an die Donaustadt gebunden. Um wie vieles besser hat es da München: Da wäre zunächst einmal Dirigent Christian Thielemann, der nun Chef der Münchner Philharmoniker geworden ist. Zudem hat sich auch der Lette Mariss Jansons entschlossen, das Orchester des Bayerischen Rundfunks von Lorin Maazel zu übernehmen.

Und komplett wird die Liste der internationalen Stars durch Dirigent Kent Nagano, den auch die Wiener Symphoniker gerne zum Chef gemacht hätten. Er ist nun in der Bayerischen Staatsoper als Generalmusikdirektor gelandet, wo er mit Fast-und-nun-doch-nicht-Intendant Christoph Albrecht seinen Job antreten hätte sollen. Und nun quasi allein verantwortlich das Münchner Opernhaus betreuen wird. Bis Klaus Bachler kommt.

Die Bayerische Staatsoper ist damit vorerst in Dirigierhänden, die für musikalische Qualität und einen sympathischen Hang zur Moderne stehen und in der Oper von Lyon Erfahrungen sammeln konnten. Im Bereich der Moderne hat die finanziell gut dastehende Münchner Oper tatsächlich einen gewissen Nachholbedarf - schließlich hat der bisherige Intendant Sir Peter Jonas in den 13 Jahren seiner Intendanz (zusammen mit Dirigent Zubin Mehta) vor allem das etablierte Repertoire und die Barockoper forciert.

Klaus Bachler übernimmt also ein gut gehendes Haus, das allerdings noch Gestaltungsmöglichkeiten offen lässt. Wien wird Bachler allerdings noch länger gedanklich beschäftigen - und nicht nur, weil er sich gleichzeitig um das Burgtheater und um München kümmern wird müssen. Auch bezüglich Kooperationen ist längst eine Verbindung zwischen München und Wien angebahnt worden, mit der sich Bachler befassen wird müssen. So hat Staatsoperndirektor Ioan Holender mit München große Pläne: Er hat bei Komponist Hans Werner Henze eine neue Oper in Auftrag gegeben, die in München und in Wien nahezu simultan uraufgeführt werden soll.

Zudem galt es bis zum plötzlichen Ausscheiden von Christoph Albrecht als sicher, dass man gemeinsam mit München vier Gluck-Opern (inszeniert von Peter Konwitschny) produzieren werde. Über diese Projekte wird Bachler entscheiden müssen. Ioan Holender streut derweil präventiv Rosen: Für München bringe Bachlers Bestellung "sicher sehr positive und fachkundige Impulse". (DER STANDARD, Printausgabe, 11.05.2005)

Von Ljubisa Tosic
  • Bayerische Staatsoper
    foto: bayerische staatsoper

    Bayerische Staatsoper

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