Kommentar: Schnulleralarm im Land

25. Mai 2005, 21:52
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Erstmals seit vierzig Jahren hat Wien wieder mehr Geburten als Sterbefälle

Seit mehr als vierzig Jahren hat Wien erstmals wieder mehr Geburten als Sterbefälle. Diese positive Geburtenbilanz ist repräsentativ für ganz Österreich, besagen die Zahlen von Statistik Austria für 2004. Dennoch, demografisch betrachtet, ist dieser vermeintliche Babyboom nicht mehr als ein statistisches Zwischenhoch. Denn die Grundrichtung in der Entwicklung kann nicht umgelenkt werden: Österreich überaltert, die Bevölkerungspyramide wird auf den Kopf gestellt.

Junger Westen

Trotz Babyboom fehlt es über kurz oder lang am Nachwuchs, darüber können auch die jetzt veröffentlichen Zahlen nicht hinwegtäuschen. Wird doch nur in jenen Bundesländern ein Geburtenplus registriert, in denen es überdurchschnittlich viele junge Leute gibt. Wie etwa im Westen Österreichs. Hier hat sich die Einkindfamilie noch nicht so durchgesetzt wie im Osten. In Tirol oder Vorarlberg gibt es, pragmatisch formuliert, genug 30- jährige Frauen und Männer, die laut Statistik potenzielle Eltern sind. Im Durchschnitt ist eine Frau in Österreich 29,3 Jahre alt, wenn sie ihr erstes Kind bekommt.

Oder aber Wien. Auch hier fehlt es nicht an jungen Erwachsenen. Zuwanderer aus dem In- und Ausland bevölkern die Stadt, Leute im Alter zwischen 15 und 30 Jahren. Seit 2002 wuchs die Einwohnerzahl in der Bundeshauptstadt um drei Prozent auf knapp 1,6 Millionen Menschen.

Wien ist eben anders, sagen einmal mehr die Demografen. Die Verjüngung der Stadt werde mindestens noch ein Jahrzehnt anhalten. Auch aus dem Grund, weil sie im Gegensatz zum Bundestrend schon vor 50 Jahren so viel alte Menschen hatte wie erst heute der Rest Österreichs. Und die Bundeshauptstadt zeigt vor, wie eine Stadt am Leben erhalten werden kann: durch junge Zuwanderer. (Kerstin Scheller, DER STANDARD Printausgabe, 11.05.2005)

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