Post wieder einmal auf Partnersuche

26. Mai 2005, 19:57
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Um wachsen zu können, will die Post AG wieder in den Business-to- Business-Bereich zurück. Bis Herbst soll eine Strategie vorliegen

Wien - Die Österreichische Post ist wieder auf Partnersuche. Diesmal allerdings nicht nach einem, der sie früher oder später ganz übernimmt, sondern "nur" für das Geschäftspaket. Diesen hat die Post 1996 an den Kurier-Express-Dienst DPD (gemeinsam mit den Speditionen Gebrüder Weiß und Schachinger, Anm.) ausgelagert, er bringt "nur" Dividenden.

Um wachsen zu können, will die Post in diese - höchst lukrative - Sparte wieder zurück. Als heißester Kandidat dafür wird in ÖIAG-Kreisen - wieder einmal - die Deutsche Post gehandelt, diesmal allerdings "nur" deren Paketexpressdienst DHL. Post-General Anton Wais bestreitet derartige Avancen: "Wir haben keine Gespräche geführt mit DHL. Wir verhandeln auch nicht mit der Deutschen Post."

DHL "keine strategische Option"

Denn: Eine Kooperation mit DHL sei keine strategische Option, sagt Wais im STANDARD-Gespräch. "Weil die Post dabei höchstens ein 'Beilader' wäre, also die 'Operations' bis hin zur Zustellung ausführen würde. Das sei aber keinerlei Wachstumsstrategie, wie sie für den von der ÖIAG angepeilten Börsengang notwendig sei - es sei denn, es gebe eine Option auf ein Jointventure.

Für den Einstieg ins B-to-B-Paket habe man drei Möglichkeiten: Eigenaufbau, Einstieg bzw. Übernahme eines bestehenden Anbieters, oder einen gemeinsamen Marktauftritt mit einem Newcomer. Die Entscheidung, welche den Vorzug bekommt, soll rasch erfolgen, spätestens im Herbst - sonst sei ein Börsengang im April 2006 nicht machbar.

Wais hat dabei freilich Prioritäten und Bedingungen: Bei einer Partnerschaft etwa müsse der Partner stark sein, er dürfe selbst nicht erst im Aufbau begriffen sein. In den neuen EU-Ländern, wo die Österreicher in Slowenien, Kroatien und Slowakei kleine Paketdienste aufgebaut haben, will Wais wiederum partout die bestimmende Mehrheit bzw. zumindest eine Option auf eine solche - obwohl die drei Post-Ableger in Summe nicht einmal zwei Prozent des Gesamtumsatzes der Post (Konzernumsatz 2004: 1,597 Mrd. Euro, davon Pakete: 174,3 Mio. Euro) ausmachen. Mittelfristig soll das Ostgeschäft den halben Paketumsatz Österreichs einspielen.

Frankreichs La Poste als Hindernis

Damit scheidet DPD in Aschaffenburg als Partner oder Lizenzgeber aus, denn die ist an La Poste in Frankreich gebunden. "Ich hätte es sehr gern mit den Österreichern gemacht, aber dazwischen steht deren Bindung an La Poste. Und das behindert mich in Südosteuropa." Auch sei die französische Post in zwei der von der Post präferierten Länder präsent und zwar mit Unternehmen, die kleiner sind als jene der heimischen Post AG. Gemessen am Umsatz beider Mütter sind beide Ostfirmen Winzlinge.

Ausschließen will Wais nicht, dass die Post eine simple Kooperation als 'Beilader' für einen Konkurrenten wie DHL eingehen könnte. Das würde den eigenen Markteintritt im Businesspaket erleichtern, berge aber das Risiko in sich, dass die beiden einander doch konkurrenzierten. Außerdem wäre die Post mit den jährlich 16 bis 20 Mio. DHL-Paketen derzeit überfordert. Ihr Verteilnetz schafft pro Jahr maximal 55 Mio. Stück. 46,7 Mio. Stück machen aber allein die österreichischen eigenen Privatpakete aus.

Eigenbau am teuersten

Am teuersten käme der Post, die über eine Eigenkapitalquote von fast 50 Prozent und gut 60 Mio. Euro an Rücklagen und stillen Reserven verfügt, der Eigenbau. "Der kann nur über den Preis erfolgen", so Wais, "und da muss man schon sehr genau überlegen, warum man dort hineingeht und was das für die Produktionsprozesse im Unternehmen bedeutet." Der wirtschaftliche Erfolg werde nicht ausschließlich über Rationalisierungen ausgependelt. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.5.2005)

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    Vielleicht kann "TomTom" (hier auf einer Marke der Post AG aus dem Jahr 2003) bei der Partnersuche etwas behilflich sein.

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