Androsch-Projekt Fohnsdorf soll FACC-Werk werden

20. Mai 2005, 16:44
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Flugzeugausrüster will nach A380-Auftrag auch bei Boeing durchstarten - Kapitalerhöhung und Anleihe geplant - Börsegang weiter offen

Wien/Fohnsdorf/Ried - Das geplante neue Industriewerk von Unternehmer und Ex-Finanzminister Hannes Androsch und seinem Partner Willi Dörflinger im steirischen Fohnsdorf soll eine neue Produktionsstätte des oberösterreichischen Flugzeugausrüsters FACC werden.

Das erklärte FACC-Chef Walter Stephan am Montagabend am Rande eines Vortrages. Ihm zufolge soll ein zweistelliger Millionenbetrag in die Region investiert werden - wenn es sich rechnet. Berichte, wonach das neue Werk 250 neue Jobs bringen soll, wollte Stephan noch nicht bestätigen.

Günstige Personalsituation in der Steiermark

Für die Steiermark würden zum einen Förderungen sprechen, zum anderen aber auch die Personalsituation. In Oberösterreich habe FACC mit seiner Produktion bereits das Fachkräfte-Potenzial ausgeschöpft. Mit dem neuen Werk will FACC in einen neuen Hochtechnologiebereich einsteigen.

Das geplante neue Unternehmen Androsch-Dörflinger-Aircraft (ADA) sei für die FACC "ein Instrument", um die die relativ hohen Kosten für die neue Technik auszugliedern, so Stephan.

Die FACC werde selbst an dem Werk "nicht notwendigerweise beteiligt sein". Auch eine Beteiligung des Mitbewerbers HTP, der in Fohnsdorf bereits Spritzguss-Kunststoffteile für Flugzeuge herstellt, sei nicht mehr geplant, betonte Stephan. Aussagen seines Aufsichtsratspräsidenten Androsch, der derzeit noch auch an HTP beteiligt ist und zuletzt eine Einbringung der HTP-Flugzeugsparte in die ADA in Aussicht gestellt hatte, bezeichnete der FACC-Chef als "Momentaufnahme".

De facto stamme aber nur ein Prozent aller Flugzeugteile aus dem Spritzguss-Bereich. FACC habe dafür neben HTP noch drei weitere Zulieferer und wolle die Spritzguss-Teile auch weiterhin zukaufen.

Gestiegener Umsatz

Nach der generellen Luftfahrtkrise der vergangenen Jahre hat FACC im vergangenen Geschäftsjahr 2004/05 (per Ende Februar) wieder stark zulegen können. Der Umsatz erhöhte sich um knapp ein Viertel auf 123,9 Mio. Euro. Davon hat das Unternehmen allerdings 18 Mio. Euro in Forschung und Entwicklung investiert.

Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) betrug 2004/05 rund 7 Mio. Euro. Auch im heurigen Geschäftsjahr wird der Gewinn laut Stephan auf Grund der hohen Entwicklungskosten kaum höher ausfallen. Dagegen soll der Umsatz 2005/06 auf 135 bis 145 Mio. Euro ansteigen. In drei bis vier Jahren will das Unternehmen seine Betriebsleistung verdoppeln.

A380 als Hoffnungsträger

Grund für die Zuversicht ist nicht zuletzt der erfolgreiche Erstflug des neuen Super-Airbus A380 des europäischen Luftfahrtkonzerns EADS, der auch die österreichischen Eurofighter liefern wird. FACC gilt zusammen mit MAN Österreich als einer der Hauptprofiteure von den Gegenschäftsvereinbarungen der Regierung.

10 Komponenten - in Summe ein Prozent des gesamten Riesenflugzeugs - stammen von FACC. Pro verkauftem Flugzeug verdient das Unternehmen je nach Ausstattung etwa 1,4 bis 1,5 Mio. Dollar (rund 1,1 bis 1,2 Mio. Euro).

Allerdings hat FACC im Vorfeld selbst 60 Mio. Euro in die Entwicklung dieser Teile - etwa Landeklappenträger, Triebwerksverkleidungen oder Flugzeuginterieurs wie etwa Fußböden und Gepäckfächer - investieren müssen. Rechnen kann sich das Geschäft daher erst in sieben bis acht Jahren.

Türöffner

Unternehmenschef Stephan sieht das Projekt aber als Türöffner. Nach dem Airbus will das Unternehmen auch beim US-Konkurrenten Boeing zum Zug kommen. Zu Gute kommt dem Kunststofferzeuger FACC dabei, dass das neue Boeing-Projekt, der Dreamliner 787 erstmals zu 50 Prozent aus Kunststoffteilen bestehen wird.

Herkömmliche Flieger hatten bisher einen Kunststoffanteil von 8 Prozent. Ziel von FACC ist es, bei gleichen Eigeninvestitionen wie für den A380 den Auftrag für rund zwei Prozent aller 787-Teile zu bekommen. Das würde pro Flugzeug 2,4 bis 2,6 Mio. Euro Einnahmen bedeuten.

Neue Anleihe geplant

Um die Vorlaufinvestitionen decken zu können, plant FACC wie im Vorjahr heuer erneut die Begebung einer neuen Anleihe. Außerdem kündigte Stephan für heuer eine Kapitalerhöhung aus. Zeitpunkt und Ausmaß sind noch offen. Die bestehenden Aktionäre hätten sich aber schon bereit erklärt, das Wachstum weiter mitzutragen.

Ein Börsegang der FACC ist derzeit nicht geplant. Das Unternehmen sei derzeit zu klein für die Börse. Wenn das Unternehmen aber in den nächsten Jahren einen Wachstumsschub erleben sollte, schließt Stephan nach wie vor den Gang auf den Kapitalmarkt nicht aus. (APA)

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