Wörtherseebühne: Überraschungen bei Zeugenaussagen

10. Mai 2005, 20:31
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150.000 Euro Abfertigung für Zanella - Seebühnengesellschaft braucht 2005 fast 300.000 Euro Budget - "Altvertrag" für Filmförderung kostet allein 90.000 Euro

Klagenfurt - Eine Reihe brisanter Überraschungen förderten am Dienstag die ersten Zeugenaussagen vor dem Untersuchungsausschuss des Kärntner Landtages zur Causa Wörtherseebühne zu Tage. So wurde bekannt, dass Renato Zanella für den Verzicht auf seinen Intendantenvertrag 150.000 Euro kassiert hat und dass die Wörthersee-Festspielgesellschaft zwar praktisch nicht aktiv ist, aber 2005 trotzdem ein Budget von fast 300.000 Euro benötigt.

Mit Spannung war die Einvernahme des Ex-Geschäftsführers der Betreibergesellschaft, der Cine Culture Carinthia (CCC), Bernhard Sapetschnig erwartet worden. Dieser trug als kaufmännischer Geschäftsführer die Verantwortung für alle abgeschlossenen Verträge, bei seiner Einvernahme war aber sehr oft von Weisungen des Eigentümers die Rede. So habe er den Vertrag mit Zanella zwar unterschrieben, ausverhandelt sei er jedoch von Landeshauptmann Jörg Haider worden, gab Sapetschnig zu Protokoll. Die erklecklichen Honorarsummen hätte er nicht verändern können: "Ich bin angewiesen worden, den Vertrag auf unserem Firmenpapier auszudrucken und zu unterschreiben."

Auflösungsvereinbarung mit Zanella

Genau der gleiche Vorgang spielte sich bei der Auflösungsvereinbarung mit Zanella ab. Nachdem seine Gage von 189.000 Euro plus Spesenkonto und Vergünstigungen bekannt geworden war, vereinbarte der damalige Finanzreferent LHStv. Karl Pfeifenberger als Eigentümervertreter mit Zanella die Vertragsauflösung, Sapetschnig musste die Vereinbarung unterschreiben. Auf die Frage, wie viel Zanella für seinen Rücktritt vom Vertrag kassiert hat, gab Sapetschnig die Summe von 150.000 Euro bekannt. Zanella selbst ist für 19. Mai zur nächsten U-Ausschuss-Sitzung im Klagenfurter Landhaus geladen.

Wie der Leiter der Finanzabteilung des Landes, Horst Felsner, vor dem Ausschuss erklärte, seien die Ansprüche Zanellas bereits befriedigt worden. Felsner sagte aus, dies sei vom damaligen Geschäftsführer Sapetschnig bei der Generalversammlung im Februar bekannt gegeben worden. Die entsprechende Ausgabe sei "in die Bilanz 2004 eingearbeitet" worden.

Sapetschnig begründete Rücktritt mit Arbeitsüberlastung

Der Obmann des U-Ausschusses, der stellvertretende SPÖ-Klubchef Peter Kaiser, wollte von Sapetschnig auch wissen, ob die 1,6 Mio. Euro, die der Bund der Seebühne als Fünf-Jahres-Subvention bezahlt hat, zur Gänze für die Bilanz 2004 haben verwendet werden dürfen. Der Ex-Geschäftsführer wies auf die positiven Stellungnahmen von Wirtschaftsprüfern und Subventionsgebern hin, wonach die Verbuchung des gesamten Betrages korrekt sei. Seinen Rücktritt im Herbst 2004 begründete Sapetschnig mit Arbeitsüberlastung.

Für die nächste Ausschusssitzung soll auch Kärntner SPÖ-Chef LHStv. Peter Ambrozy als Zeuge geladen werden. Diesen Antrag stellte der freiheitliche Mandatar Johann Gallo, weil Ambrozy die Auszahlung von 340.000 Euro aus dem Landesbudget an die Wörthersee-Festspielgesellschaft blockiert. Ambrozy steht zu seiner Weisung: "Für dieses Geld gibt es keine Beschlüsse." Einer Ladung würde er selbstverständlich Folge leisten.

Wenig operative Funktionen der Seebühnengesellschaft, dennoch hoher Budgetaufwand

Die Seebühnengesellschaft, die inzwischen keine operative Funktion außer der Vermietung der Bühne ausübt, weist für das laufende Jahr laut Angaben ihres neuen Geschäftsführers Werner Bilgram trotzdem einen Personalkostenbedarf von mehr als 218.000 Euro auf. Das Jahresbudget liegt bei knapp 300.000 Euro. Das Weiterbestehen der Gesellschaft ist notwendig, damit die Fünf-Jahres-Subvention des Bundes nicht zurückgezahlt werden muss.

Die Gesellschaft muss an Zanella für dessen bis Ende August laufenden Konsulentenvertrag 60.000 Euro überweisen. Der 2002 zur Akquisition von Filmproduktionen zur CCC geholte Manfred Lukas Luderer ist noch bis Ende Oktober unter Vertrag, ihm stehen sogar noch 90.000 Euro zu. Neue Filmproduktionen gibt es seit 2004 allerdings keine mehr, Luderer verschwand von der Bildfläche. (APA)

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