[prologue] reclaims Europe!

17. Mai 2005, 07:00
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Graz war Ausgangspunkt für ein international besetztes feministisches Projekt, das sich zwischen Wissenschaft, Kunst und Aktivismus verortet

Sich endlich einmal den Themen zu widmen, die abseits jeglicher Förderrichtlinien unter den Nägeln brennen, dieser Wunsch brachte acht Frauen rund um das internationale Künstlerinnennetzwerk Faces dazu, den Startschuss für ein Symposium der besonderen Art zu geben. Und am 8. Mai 2005 war es dann so weit: der erste [prologue] fand in Graz statt.

Als Symbiose von Symposium, Ausstellung und Performances gedacht, will [prologue] die Bereiche Kunst, Wissenschaft und Aktivismus unter einen feministischen und diskursiven Hut bringen. Mehr als 20 Frauen aus mehr als 10 Ländern stellten in Graz ihre überaus vielseitigen Projekte vor, von der afrikanisch-englischen Künstlerin über die italienische TV-Aktivistin bis hin zur Traumaforscherin aus Ex-Jugoslawien. Doch eines haben sie alle gemeinsam: sie wollen neue feminstische Perspektiven auf ein neues Europa werfen.

Back to the roots ...

Marina Grzinic, slowenische Philosophin, Medientheoretikerin und Videokünstlerin, und zusammen mit der Grazer Künstlerin Reni Hofmüller Kuratorin des Grazer Symposiums, beschreibt ihre Intention wie folgt: "Wir müssen wieder zurück zum Feminismus gehen, um neue feministische Positionen beziehen zu können. Und auch, um zu zeigen, wie wichtig der heute oft marginalisierte Feminismus für die Theoriebildung, für die Politik und für die Kunst war und ist. Unsere Themen heute sind die Veränderungen in der Arbeitswelt, Prekarität und Migration."

Für Eva Ursprung, Grazer Künstlerin und Mitorganisatorin von [prologue], steht die Vernetzung im Vordergrund: "Für mich war es wichtig, all die Künstlerinnen, auf die ich im Laufe meiner Reisen gestoßen bin, vor allem in Ost-Europa, zusammen zu bringen. Auch wenn die kulturellen Hintergründe der Frauen teilweise völlig verschieden sind, die Probleme bleiben die gleichen. Deshalb meine ich, ist es notwendig, sich auszutauschen und Netzwerke zu bilden."

... zu neuen Zielen

"Eine aktuelle Definition des Feminismus ist notwendig. Ebenso wie eine aktuelle Definition, was denn dieses "neue Europa" sein soll. Diese Definitionsmacht müssen wir uns wieder beschaffen und dafür könnte der Grazer [prologue] ein guter Startpunkt sein", so Reni Hofmüller, die für die Veranstaltungen einen großen Teil des Budgets ihrer Galerie ESC im labor zur Verfügung stellte. Außer dem medienkunstlabor war bislang keine nennenswerte Institution zur finanziellen Unterstützung bereit.

Weiter geht's im Juli im Cornerhouse in Manchester. Dort treffen 25 KünstlerInnen aus 17 Länder aufeinander, die österreichischen Deligierten dafür sind Anita A. Mörth, Solveig Haring und Nicole Pruckermayr. Ein Ausflug würde sich sicherlich auszahlen, dieStandard.at wird zumindest dabei sein und berichten.

(e_mu)

  • Die Organisatorinnen Mariana Grzinic, Eva Ursprung und Reni Hofmüller (von links) sichtlich erfreut über den großen Erfolg ihres Projekts
    murlasits
    Die Organisatorinnen Mariana Grzinic, Eva Ursprung und Reni Hofmüller (von links) sichtlich erfreut über den großen Erfolg ihres Projekts
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