Die Geister, die sie riefen

11. Mai 2005, 21:31
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200 Unverzichtbare erle­ben heute im Horr-Stadion das erste Geisterspiel der Ligageschichte zwischen Austria und Pasching

Wien - "Das hat es in Österreich noch nie gegeben. Super, dass ich da dabei bin", sagte Peter Stöger vor seinem Heimdebüt als Cheftrainer der Austria. In Wahrheit findet es der Ex-Internationale natürlich gar nicht lustig, dass die Wiener heute ohne Publikumsunterstützung gegen Pasching um ihre kleine Titelchance kämpfen müssen.

Dabei kann die Sache durchaus eine Hetz werden. Genau je 38 Personen beider Klubs (inklusive Spieler und Betreuer), die Leute von TV-Partner Premiere, ein paar Journalisten, die Ballbuben und einige Ordner dürfen sich, von Bundesliga-Mann Michael Zoratti überwacht, ins Horr-Stadion kuscheln. Rund 200 Leute werden also im Stadion sein, man hat schon schlechter besuchte Bundesligaspiele erlebt, etwa in der Südstadt, wohin dem Vernehmen nach einige Fan-Gruppen der Austria ausweichen wollen, um ihren Freunden von Rapid während des zeitgleichen Nachtrages der Hütteldorfer gegen die Admira einen Besuch abzustatten.

Denn für das Umfeld der schmucken Horr-Arena hat die Polizei ein Platzverbot ausgesprochen. Soll heißen, dass nicht nur die Fans, die am Donnerstag den Abbruch des Spiels gegen den GAK erzwungen haben, im Nahbereich des Stadions unerwünscht sind. Auch die Zusammenrottung friedlicher Fans ist streng untersagt.

Geplante Maßnahmen

Mitgehangen, mitgefangen heißt es auch vonseiten des Klubs, der den Schaden aus der Donnerstags-Aktion inklusive Geldstrafe der Bundesliga (50.000 Euro) auf 150.000 Euro schätzt. Das für Pfingsten angesetzte Fan-Turnier wurde abgesagt, Auswärtsreisen der Anhänger werden nicht mehr finanziell unterstützt. Ob Regressforderungen gegen die per Videostudium auszuforschenden Rädelsführer beim Spielabbruch sinnvoll sind, wird von Vereinsanwalt Wolfgang Rebernig geprüft.

Die Austria hat jedenfalls gegen die Höhe der Geldstrafe und die Strafverifizierung des Spiels mit 0:3 berufen. Man habe schließlich alle Sicherheitsauflagen der Bundesliga erfüllt. Zudem wird hinter vorgehaltener Hand ins Treffen geführt, dass zwei recht knapp aufeinander folgende Fan-Stürme bei Rapid (einmal auch gegen den GAK), die allerdings ohne Abbruch endeten, den Verein nur 10.000 Euro gekostet hätten. Frank Stronach hat mit all dem nichts zu tun. Er will sich als Ligapräsident nicht dem Ruch der Parteilichkeit aussetzen.

Stöger sieht im Geisterspiel jedenfalls "einen Riesennachteil und Strafe genug", auch wenn die Austria das leere Horr-Stadion vom Training eher gewöhnt sei. "Es hängt alles davon ab, welche Mannschaft sich auf die äußeren Bedingungen wie bei einem Freundschaftsspiel besser einstellen kann." Stögers Problem ist auch eine lange Ausfallsliste, auf der zusätzlich Rushfeldt (Knöchelblessur), Wagner, Kiesenebner (beide vergrippt) und Gilewicz (eitrige Zehe) aufscheinen könnten. "Aber", so Stöger, "wir werden mit elf Spielern einlaufen. Es sei denn, die Bundesliga macht uns auch da noch besondere Auflagen." (Sigi Lützow, DER STANDARD Printausgabe 11.05.2005)

23. RUNDE:

  • Austria - Pasching (Franz Horr Stadion, 19:30 Uhr, SR Brugger). Bisherige Saisonergebnisse: 1:2 (a), 1:2 (h)

    Austria: Didulica - Dospel, Afolabi, Papac, Dheedene - Sionko, Blanchard, Metz/Kiesenebner, Mila - Vastic, Dosunmu/Rushfeldt Ersatz: Safar - Troyansky, Petrous, Kitzbichler, Wagner, Gilewicz Fraglich: Rushfeldt (angeschlagen), Wagner, Kiesenebner (beide krank), Gilewicz (eitrige Zehe) Es fehlen: Antonsson, Vachousek, Janocko (alle verletzt)

    Pasching: Schicklgruber - Knabel/Lapic, Baur, Chaile - Bubenik, Kirchler, Flögel, Horvath, Ortlechner/Pichlmann - Mayrleb, Jezek/Glieder Ersatz: Gspurnig - Hartl, Reiter Fraglich: Knabel, Ortlechner Es fehlen: B. Kovacevic, Budicin, Sariyar (alle verletzt)

    • Bild nicht mehr verfügbar

      Austria-Fangruppen vor dem Sturm auf das Spielfeld letzten Donnerstag.

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