Lohngleichheit da und dort

11. Mai 2005, 11:03
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Rauch-Kallat nimmt Anleihe beim französischen Gesetz der Sanktionen

Paris - Gesundheits- und Frauenministerin Maria Rauch-Kallat (V) hielt sich anlässlich einer französischen Parlamentsdebatte über ein Gesetz zur Lohngleichstellung zwischen Frau und Mann am Dienstag in Paris auf.

Gesetz zur Gleichstellung

Es handle sich zwar nur um ein informelles Treffen, solle allerdings eine "unterstützende Wirkung" zur Förderung der Chancengleichheit erfüllen, betonte die Frauenministerin. Rauch-Kallat erinnerte daran, dass ein Gesetz zur geschlechtlichen Gleichstellung am Arbeitsplatz in Österreich bereits seit 1979 bestehe und 2004 zuletzt novelliert worden sei. Nunmehr werden in dem Gesetz neben dem Geschlecht auch Rasse, Religion und Alter berücksichtigt.

Zu den Lohnunterschieden bei gleichwertiger Arbeitsleistung meinte Rauch-Kallat, dass diese in Österreich "zwischen null und 40 Prozent" liegen. Eine effektive Gleichheit gebe es allein im öffentlichen Dienst. "Zum Abbau dieser Ungleichheiten sind sowohl Anreize als auch Sanktionen notwendig", betonte die Frauenministerin und fügte hinzu: "Die Politik hat nicht die Aufgabe, in die Familien hinein zu regieren, sie hat aber die Rahmenbedingungen so zu schaffen, dass für Frauen und Männer die Chancen gleich sind."

Frauen und Stress

Die Ministerin kündigte weiter an, dass die Themenkreise "Frauen-Gesundheit" und "Gewalt gegen Frauen" im Mittelpunkt der Tätigkeit ihres Ministeriums während des EU-Ratsvorsitzes im nächsten Jahr stehen werden. "Die Frauen leiden unter bisher männlichen stress-bedingten Krankheiten, und diesem Umstand muss besser Rechnung getragen werden", meinte Rauch-Kallat und nannte als Beispiel die Herzinfarkte. Man müsse in die medizinische Grundausbildung die Erkennung der weiblichen Herzinfarkt-Symptome einbauen, zumal diese bei Frauen anders als bei Männern seien, so die Ministerin.

Fünf-Jahres-Frist

Das französische Gesetz zur Lohngleichheit strebt das Ziel an, binnen fünf Jahren die geschlechtlich bedingten Gehaltsunterschiede zu beseitigen. In drei Jahren soll eine Bilanzkonferenz stattfinden. Sind die Ergebnisse bis dahin nicht zufrieden stellend, so ist in Form einer Sanktion die Einführung einer Sondersteuer auf die Lohnmasse vorgesehen. Zur Förderung der Karenzurlaube erhalten Unternehmen mit weniger als 50 Angestellten einen Sonderbeitrag von 400 Euro pro betroffener/m LohnempfängerIn. Die Möglichkeit des Karenzurlaubs soll bis zum 16. Lebensjahr des Kindes verlängert werden (gegenwärtig liegt es bei drei Jahren). (APA)

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