Weg für Böhler-Kapitalerhöhung frei

20. Mai 2005, 16:25
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Aktionäre stimmten Vorschlag für genehmigtes Kapital zu - Analysten: Kapitalerhöhung im Juni oder Juli, Volumen auf 150 bis 200 Millionen Euro geschätzt

Wien - Beim Edelstahlerzeuger Böhler-Uddeholm ist der Weg für die geplante Kapitalerhöhung nach der heutigen Hauptversammlung (HV) frei. Die Aktionäre haben am Dienstag für den Vorschlag des Vorstands für genehmigtes Kapital grünes Licht gegeben.

Demnach ist die Führungsriege des börsenotierten Konzerns um Generaldirektor Claus Raidl ermächtigt, binnen fünf Jahren das Grundkapital mit Zustimmung des Aufsichtsrats durch die Ausgabe von bis zu 2,5 Millionen neuen Aktien aufzustocken (allenfalls auch in Tranchen).

Management am Zug

Nun ist das Management am Zug. Dass die vor mehr als einem Monat ins Spiel gebrachte Kapitalerhöhung kommt, gilt als fix. Zu welchem Zeitpunkt - Analysten rechnen bereits mit Juni oder Juli - und in welchem Umfang sie abgewickelt wird, will der Vorstand jetzt rasch - noch vor dem Sommer - entscheiden.

Die Weichen für die Kapitalerhöhung wurden jedenfalls heute mit den Stimmen des Kernaktionärs, der Fries-Gruppe, gestellt, weil bei Böhler-Uddeholm überhaupt erst ein Kapitalrahmen geschaffen werden musste.

Volumen wird auf 150 bis 200 Millionen geschätzt

Sollte der gleich zur Gänze ausgenützt werden, könnte sich der österreichische Großkonzern zum aktuellen Börsekurs auf einen Schlag mehr als 250 Mio. Euro für die "Kriegskasse" besorgen. Bei Böhler-Uddeholm selbst ist indes von einem kleineren Volumen die Rede. "Wir nehmen sicher nicht den ganzen Betrag", sagte Raidl in der Hauptversammlung. Analysten schätzen das Volumen der Kapitalerhöhung auf 150 bis 200 Mio. Euro.

Das frische Geld wäre nicht nur für die bisher größte Akquisition in der Konzerngeschichte, die Übernahme der deutschen Buderus Edelstahl (405 Mio. Euro Umsatz und knapp 1.700 Mitarbeiter), bestimmt, sondern auch für weitere Wachstumsprojekte.

So verhandelt Böhler-Uddeholm derzeit den Kauf eines Schweißtechnik-Spezialisten in Europa. Die Akquisition - der Dimension nach wesentlich kleiner als Buderus Edelstahl, für die in informierten Kreisen ein Kaufpreis von "deutlich weniger" als 200 Mio. Euro genannt wird - könnte demnächst spruchreif werden.

Grundkapital kann um 23 Prozent angehoben werden

Von der Böhler-Uddeholm AG sind momentan 11 Millionen Aktien in Umlauf. Mit der heutigen Ermächtigung des Vorstands durch die HV kann das Grundkapital um bis zu 23 Prozent angehoben werden, und zwar von zuletzt 79,97 Mio. Euro um bis zu 18,175 Millionen auf 98,145 Mio. Euro.

Zugestimmt hat die HV heute auch dem Vorschlag des Vorstands, die Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr 2004, das Rekordwerte bei Umsatz und Ergebnis brachte, von 2,50 auf 4,40 Euro je Aktie anzuheben. Diese Höhe entspricht einer Ausschüttungsquote von 41,8 Prozent und - gemessen am Kurs zum Ultimo 2004 - einer Dividenden-Rendite von 4,7 Prozent.

Anwesend waren in der heutigen ordentlichen Hauptversammlung, der zehnten, die Böhler-Uddeholm als börsenotiertes Unternehmen abgehalten hat, insgesamt mehr als 300 Aktionäre. Für die HV hinterlegt wurden in Summe 4,046.643 Aktien, das entspricht knapp 37 Prozent des Grundkapitals.

Fries-Gruppe hält 25,7 Prozent

Größter Böhler-Uddeholm-Aktionär ist die private österreichische Investoren-Gruppe um den Badener Rechtsanwalt Rudolf Fries, die über die BU Industrieholding mit 25,7 Prozent eine Sperrminorität hält. Das Gros der Unternehmensanteile ist mit 74,3 Prozent breit im Publikum gestreut.

Wie berichtet hat Böhler-Uddeholm im vergangenen Jahr bei 1,934 Mrd. Euro Umsatz einen Betriebsgewinn (Ebit) von 191,9 Mio. Euro geschrieben. Zuletzt waren im Konzern mehr als 12.000 Mitarbeiter beschäftigt. Heuer soll das Rekordjahr 2004 nochmals getoppt werden. Im ersten Quartal 2005 konnte der Periodenüberschuss auf 45,5 Mio. Euro nahezu verdreifacht werden, bei einem Umsatzschub um 39 Prozent auf 579,1 Mio. Euro. (APA)

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