Wer sich nicht selbst hilft

13. Mai 2005, 11:53
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Österreich ist wohl wie­der zweitklassig - Hoffen auf Schützenhilfe war vergebens, Deutschland verlor und drückt nun Österreich die Daumen

Innsbruck - "Peinlich. Ich finde keine Worte." Sagte Jan Benda, der Kapitän des deutschen Eishockeyteams, gestern Nachmittag in Innsbruck. Ehe er doch noch Worte fand. "Die Österreicher haben auf uns gehofft. Jetzt müssen wir auf die Österreicher hoffen."

Der hohe Favorit Deutschland also, am Montag mit 9:1 gegen Slowenien erfolgreich, hat gestern eine skurrile Relegationsrunde mit einem 2:3 (1:1, 1:1, 0:1) gegen Dänemark gekrönt. Die Dänen erhalten die Klasse und fahren 2006 zur WM nach Riga, die Deutschen hoffen, dass Slowenien am Mittwoch (20:15 Uhr) nicht Österreich schlägt. Österreich wiederum darf Slowenien nicht 8:0 oder höher bezwingen, bei 8:0 gäbe es ein Penaltyschießen gegen Deutschland. Diesbezügliche Sorgen halten sich freilich in Grenzen.

"Man kann sich an alles klammern und hoffen", sagt Österreichs Verbandskapitän Giuseppe Mion. "Wir haben es selbst vergeben." 1996 und der Heim-WM-Abstieg werden so gut wie sicher neu aufgelegt. Österreich ließ zum zweiten Mal heuer den Heimvorteil ungenutzt, im Februar hatte man in Klagenfurt trotz eines 4:0 über den späteren Aufsteiger Kasachstan die Olympia-Qualifikation verspielt.

Chancen stehen 3:97

Es wäre nicht ganz ungerecht, würde Österreich die Deutschen in die B-Gruppe mitnehmen. Auch Deutschland lag gegen Dänemark lange in Führung, auch Deutschland wurde nervös und geriet im Schlussdrittel völlig außer Tritt. Kasper Degn (50.) sorgte für den Endstand, im Finish nahmen die Deutschen ihren Goalie vom Eis, mehr als ein Stangenschuss schaute nicht heraus. Der Ausgleich hätte Österreichs Schicksal schon endgültig besiegelt, nun stehen die Chancen immerhin nicht 0:100, sondern halt 3:97.

Es sieht danach aus, als würde Österreichs Rekord-Internationaler Martin Ulrich heute sein 200. und letztes Ländermatch bestreiten. "Ich spiele keine B-Gruppe mehr", sagt der 35-jährige Verteidiger, der nach acht Jahren in der deutschen Liga ab Herbst in Salzburg spielen wird. "Mir macht Eishockey nach wie vor Spaß. Aber Verlieren macht mir keinen Spaß." Ulrich, der insgesamt 14 WM-Turniere intus und mit Österreich zweimal (1991, 1997) den Aufstieg in die A-Gruppe geschafft hat, beschreibt die WM-Leistung des Teams wie folgt: "Kaum ein Spieler bringt die Leistung, etliche überschätzen sich, aber keiner ist gut genug, als Einzelner was zu machen. Schon kleine Fehler bringen uns aus dem Konzept."

Ulrich hat den Teamchefs Bukac, Tyler, Kennedy und Pöck gedient. Herbert Pöck steht gegen Slowenien noch an der Bande. Die Tage seines deutschen Kollegen Greg Poss sind auch gezählt. (DER STANDARD, Printausgabe 11.05.2005)

Relegation - Endstand:

  • Deutschland - Dänemark 2:3 (1:1, 1:1, 0:1)

    Tore: Hecht (4./PP), Boos (26./PP) bzw. Green (15./PP), Grey (37.), Degn (50.)

    Zuschauer: 1000, Innsbrucker Olympiahalle

    Deutschland: Müller - Ehrhoff, Schubert; Kopitz, Retzer; Renz, Sulzer; Schauer, Pyka - Kreutzer, Goc, Fical; Hecht, Martinec, Benda; Lewandowski, Furchner, Boos; Felski, Barta, Kathan

    Dänemark: Hirsch - Andreasen, Damgaard; Schioldan, Dahlmann; Akesson, Möller; Johnsen - Andersen, Green, Kjaergaard; Regin, Nielsen, Hansen; L. Degn, Monberg, K. Degn; Smidt, Grey, True

    • Bild nicht mehr verfügbar

      Bernd Brueckler, Patrick Harand, Chris Harand, Juergen Penker und Daniel Welser sahen zu, wie sich Österreichs Abstieg konkretisierte.

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