"Kannibale von Neukölln" kommt in die Psychiatrie

11. Mai 2005, 22:58
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Gericht verhängt 13 Jahre Haft

Der so genannte Kannibale von Neukölln wird in die Psychiatrie eingewiesen. Das Berliner Landgericht verurteilte den 41-jährigen Angeklagten am Dienstag zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren und ordnete die sofortige Einweisung in einer psychiatrische Klinik an. Die Strafkammer legte ihm zur Last, seinen Sexualpartner heimtückisch ermordet zu haben, hielt ihm aber zugleich eine erheblich verminderte Schuldfähigkeit zugute.

Das Gericht urteilte, die Steuerungsfähigkeit des Angeklagten sei erheblich beeinträchtigt gewesen, weil er sich seit Jahren in immer bestialischere Kannibalismusfantasien hineingesteigert habe. Der arbeitslose Anstreicher hatte gestanden, seinen Sexualpartner im Oktober 2004 geschlachtet und den Penis zum späteren Verzehr im Kühlschrank aufbewahrt zu haben.

Entschuldigung bei der Familie des Opfers

In einem Schlusswort entschuldigte sich der 41-jährige Angeklagte bei der Familie des Opfers. Einer Einweisung in die Psychiatrie hat er bereits zugestimmt. Damit ist offen, wann und ob er wieder auf freien Fuß kommt. Der Vorsitzende Richter Peter Faust betonte, von ihm gehe eine erhebliche Gefahr für die Allgemeinheit aus. Deswegen "gehört er entsprechend behandelt und weggeschlossen", sagte er.

Die Zeit in der Psychiatrie muss nicht zwingend auf die Freiheitsstrafe angerechnet werden. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung äußerten sich zufrieden mit dem Urteil. Sie ließen allerdings offen, ob sie eventuell doch noch in Revision gehen wollen. (APA/AP)

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