Umfrage: Nur zehn Prozent der Albaner vertrauen ihren Politikern

12. Mai 2005, 21:50
7 Postings

Große Mehrheit betrachtet Volksvertreter und Richter als korrupt

Tirana - Kurz vor den Parlamentswahlen machen sich die Albaner keine Illusionen über ihre Politikerkaste. Nur zehn Prozent vertrauen ihren Politikern und der von diesen betriebenen Politik, wie eine vom US-Institut NDI in allen Landesteilen durchgeführte Umfrage ergab. 50 Prozent der Befragten gingen davon aus, dass die Politiker ihre Ämter zwecks Bereicherung missbrauchten. 65 Prozent sehen in der Korruption das schlimmste Übel, das eine Entwicklung des Balkanlandes verhindere. Das NDI-Institut wird von der US-Entwicklungsbehörde USAID finanziert. Die Umfrageergebnisse wurden am Montag in Tirana veröffentlicht.

Eine denkbar schlechte Meinung haben die Albaner demnach auch von ihren Richtern und Ärzten, die in Fragen der Korruptionsanfälligkeit den Politikern dicht auf den Fersen sind.

Es sei zu hoffen, dass die politischen Parteien noch vor den Wahlen am 3. Juli das Umfrageergebnis beherzigen, erklärte NDI-Direktorin Jennifer Butz. 60 Prozent der Befragten glaubten nicht an freie und faire Wahlen. Die Europäische Union hat von Albanien untadelige Parlamentswahlen verlangt. Andernfalls würde die angestrebte Annäherung an die EU ernsthaft in Frage gestellt. Sämtliche Wahlen in Albanien seit dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems 1990 haben westliche Wahlbeobachter nicht zufrieden stellen können. Meist endeten sie damit, dass die beiden großen Parteien sich gegenseitig des Wahlbetrugs beschuldigten.

Nach dem Sieg der regierenden Sozialistischen Partei (PS) von Premier Fatos Nano bei den letzten Wahlen hatte sich die unterlegene rechtsoppositionelle Demokratische Partei (PD) von Ex-Präsident Sali Berisha geweigert, die Ergebnisse zu akzeptieren. Vom Europarat war Berisha daraufhin Obstruktion vorgeworfen worden, nachdem die PD jede Mitarbeit mit der staatlichen Wahlkommission abgelehnt hatte. Berisha hatte 1997 nach bürgerkriegsähnlichen Unruhen mit Hunderten von Toten vom Amt des Staatschefs demissionieren müssen, nachdem der Zusammenbruch dubioser Finanzgesellschaften Zehntausende Kleinanleger völlig ruiniert hatte. Die Situation konnte damals nur durch die Entsendung einer multinationalen Eingreiftruppe unter Kontrolle gebracht werden. Aus Parlamentswahlen, die unter internationaler Aufsicht durchgeführt wurden, gingen die Sozialisten unter der Führung von Nano als Sieger hervor. (APA/AFP)

Share if you care.