Mieten für Wohnungen 2004 in fast ganz Österreich gestiegen

20. Mai 2005, 16:51
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Stärkster Anstieg mit 3,6 Prozent in Salzburg - Neues Eigentum und Reihenhäuser tendenziell kostspieliger - Mit Infografik

Wien - Frei vermietbare Mietwohnungen haben sich laut Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) im Jahr 2004 in fast allen Bundesländern verteuert. Am stärksten in Salzburg mit einem Anstieg um 3,6 Prozent gefolgt von Tirol und Wien mit je knapp 3 Prozent. In Vorarlberg waren die Mieten im Schnitt unbewegt, nur in Kärnten zeigten sie sich mit minus 1,2 Prozent rückläufig.

Berichte über einen starken Mietanstieg kann der Fachverband der Immobilientreuhänder der WKÖ auf Basis der Durchschnittspreise 2004 nicht nachvollziehen.

"Was Wohnen jedoch wirklich teuer macht, sind die erfahrungsgemäß wesentlich höher steigenden öffentlichen Abgaben", sagte Obmann Gerhard Steller am Dienstag bei der Präsentation des "Immobilienpreisspiegel 2005".

Auch Eigentumswohnungen tendenziell teurer

Die Preise für neu gebaute Eigentumswohnungen legten im Vorjahr tendenziell zu - am stärksten in Salzburg mit plus 3,1 Prozent. Rückgänge unter einem Prozent gab es nur in Niederösterreich und der Steiermark.

Gebrauchtes Eigentum schwankte nur wenig, wobei Vorarlberg mit plus 2,4 Prozent und Wien mit minus 1,3 Prozent die Ausreißer waren. Reihenhäuser waren zumeist gefragt und erfuhren in Salzburg mit 7,3 Prozent und in der Steiermark mit 4 Prozent deutliche Wertsteigerungen. Gegen den Österreich-Trend wurden sie in Niederösterreich um 2,6 Prozent billiger.

Uneinheitlich präsentierte sich im Vorjahr der Markt für Büroflächen. In Wien war mit plus 3,5 Prozent der stärkste Preisauftrieb festzustellen - obwohl die Bundeshauptstadt als "Drehscheibe zu den neuen EU-Ländern" nicht die erwartete Nachfrage erfahren habe.

In Salzburg und Kärnten legten Büromieten um über 2 Prozent zu, während sie in Oberösterreich, Tirol und Vorarlberg über ein Prozent nachgaben. Niederösterreich verzeichnete mit minus 1,7 Prozent den stärksten Rückgang.

"Eher ausgeglichener Immobilienmarkt"

Alles in allem spricht Steller von einem "eher ausgeglichenen Immobilienmarkt" im Jahr 2004, die Preise befänden sich auf "stabilem Niveau". Fürs laufende Jahr sieht er eine ähnliche Entwicklung: "Auch 2005 werden die Preise sanft ansteigen, insbesondere für Objekte der sehr guten und mittleren Kategorien."

Quer durch alle Bundesländer und Nutzungskategorien war im Vorjahr der Trend zur guten Lage als wesentlicher Preisfaktor ungebrochen. "Wer ein Grundstück erwirbt, um darauf zu bauen, sollte nicht auf den Preis achten und den besseren Grund kaufen", rät Steller.

Denn jeder darauf gesetzte Ziegel sei nach Fertigstellung deutlich mehr wert als in weniger guter Lage. Schlechte Infrastrukturanbindung oder ältere Bausubstanz zählten generell zu den wertmindernden Faktoren.

Nachfrage aus Deutschland erhöhte Preise in Salzburg

Eine überdurchschnittliche Preisentwicklung zeigte der Immobilienmarkt im Land Salzburg. Der Fachverband der Immobilientreuhänder erklärt die Anstiege mit der Nachfrage aus Deutschland. Bei Baugrund, Eigentum im Erstbezug, Reihenhäusern, Mietwohnungen und Geschäftslokalen zeigte Salzburg mit Steigerungsraten zwischen 2 und 7,3 Prozent österreichweit den stärksten Preisauftrieb. "Es ist eigentlich ein unaufhaltsamer Trend, dass in Salzburg angelegt wird", so Steller.

Eine ähnliche Situation sieht er im "Ballungsraum Oberösterreich", wo die Immobilienpreise und -mieten vor allem im Wohnbereich zulegten. Teurer wurden vor allem Eigentumswohnungen, im Erstbezug um 2,4 Prozent und gebraucht um 1,5 Prozent. Büroflächen verbilligten sich hingegen um 1,1 und Geschäftslokale um 2,6 Prozent.

Preise stiegen auch in Wien

Auch in Wien zeigte die Preistendenz nach oben, nur Betriebsgrundstücke und gebrauchte Eigentumswohnungen fielen im Wert. Neu gebaute Eigentumswohnungen verteuerten sich um 1,5 Prozent, was Steller auf die "Beliebtheit von unter dem Titel Vorsorge angebotenen Objekte" zurückführt. Der 3,5-prozentigen Anstieg bei Büroflächen sei vom Neubau getragen worden, Vermietungen gebrauchter Objekte hätten nur zögerlich stattgefunden. Geschäftslokale verteuerten sich im Mittel um 1,1 Prozent. "Gerade bei Geschäftslokalen ist die Tendenz zu guten und sehr guten Lagen ungebremst", so Steller.

Für Kärnten berichtet Steller von einer "spürbar positiven Tendenz am Immobilienmarkt", besonders für gute bis sehr gute Lagen: "Durchschnittliche Lagen bei Grundstücken, Häusern wie auch bei Eigentumswohnungen werden wohl noch eine Zeit lang schwer verkäuflich sein." Büroflächen verteuerten sich im südlichsten Bundesland um 2,1 Prozent, Geschäftslokale wurden um 2,4 Prozent billiger. In der Steiermark verbilligten sich Geschäftsflächen um 1,1 Prozent. Merkliche Preisanstiege verzeichneten Reihenhäuser (4 Prozent), Einfamilienhäuser (2,5 Prozent) und Baugrundstücke (2,4 Prozent).

Verbilligungen in Niederösterreich

Am schwächsten entwickelte sich der Immobilienmarkt in Niederösterreich, wo Betriebsgrundstücke, neu gebaute und gebrauchte Eigentumswohnungen, Reihen- und Einfamilienhäuser sowie Büros und Geschäftslokale um bis zu 2,6 Prozent billiger wurden. Gegen den Landestrend konnten mit plus 1,7 Prozent nur Baugrundstücke merklich zulegen.

In Tirol hätte eine restriktivere Kreditpolitik der Banken viel Wohnraum-Nachfrage in den Mietbereich gedrängt, erklärt Steller die 2,8-prozentige Verteuerung neu vermieteter Wohnungen. Eigentum im Erstbezug legte um 2,6 Prozent zu. Büroflächen und Geschäftslokale wurden im Vorjahr hingegen um gut ein Prozent billiger.

SPÖ: "Richtwertsystem umbauen"

SP-Bautensprecherin Doris Bures verwies Behauptungen der Bundesregierung, wonach steigende Wohnkosten auf Wohnungsverknappung zurückzuführen seien, in einer Aussendung "in das Reich der Legenden". Sie sieht die SP-Kritik an der Bundesregierung durch den WKÖ-Immobilienpreisspiegel bestätigt: Die Regierungspolitik belaste Mieter und begünstige Investoren.

Den Grund für die Wohnungsverteuerungen sieht Bures in "den einschneidenden Eingriffen in das Mietrecht und das Gemeinnützigkeitsrecht sowie bei den sukzessiven Einschränkungen des Anwendungsbereichs des Mietrechtsgesetzes, wodurch die rechtliche Stellung der Mieter kontinuierlich verschlechtert wird". Das Richtwertsystem müsse reformiert werden, da es sich "auf Grund ausufernder Zuschlagsmöglichkeiten am privaten Immobiliensektor nicht bewährt hat".

AK für wirksame Mietgrenzen

Die Arbeiterkammer (AK) hat indes am Dienstag ihre Forderung, Mieten wirksam zu begrenzen, bekräftigt. Eine Entspannung des Wohnungsmarkts sollte zudem auch durch ein höheres Angebot an geförderten Wohnungen herbeigeführt werden. (APA)

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    Infografik: Immobilienpreise im Bundesländervergleich

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