Mutmaßliche Verfasserin der "Tiroler Todesliste" erneut vor Gericht

11. Mai 2005, 08:36
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Eltern und Geschwister der Angeklagten als Zeugen

Bei der Fortsetzung des Prozesses um die ominöse "Todesliste" im Ötztaler Dorf Umhausen hat sich am Dienstag erneut eine 42-jährige Hausfrau vor einem Schöffensenat am Landesgericht Innsbruck verantworten müssen. 24 Zeugen sollen angehört werden. Der Prozess wird voraussichtlich neuerlich vertagt.

Der Umhauserin wird schwere Nötigung und Brandstiftung sowie gefährliche Drohung und Vortäuschung einer mit Strafe bedrohten Handlung vorgeworfen. Die Anklage war zudem um den Verdacht auf Verleumdung ausgedehnt worden. Die Frau hatte bereits ein umfangreiches Geständnis abgelegt. Dies hatte sie jedoch widerrufen. Sie hatte angegeben, massiv durch Psychopharmaka belastet gewesen zu sein.

Eltern und Geschwister der Angeklagten als Zeugen

In den Zeugenstand wurden am Dienstag unter anderen die Eltern und die Geschwister der Angeklagten gerufen. Die Schwester der Umhauserin gab an, dass die Angeklagte hinter ihr gestanden habe, als sie selbst einen Drohanruf erhalten hatte. Auf die Frage des Richters, warum sie das nicht schon viel früher gesagt habe, antwortete die Zeugin, dass sie niemand danach gefragt habe.

Zu einem angeblichen Handykauf der Angeklagten in Innsbruck gab die Mutter an, dass ihre Tochter an dem betreffenden Tag ständig bei ihr gewesen sei. Die Angeklagte habe daher das Handy gar nicht in Innsbruck kaufen können. Die Mutter erklärte dem Richter ebenfalls, dass sie nie danach gefragt worden sei und daher früher nichts gesagt habe.

Todesdrohungen sorgten für großes Aufsehen

Auch die Volksschullehrerin und die Kindergärtnerin wurden einvernommen. Beide sagten aus, dass es keine Schwierigkeiten mit den Kindern der Angeklagten gegeben habe. Die Volksschullehrerin hatte damals auch einen so genannten Drohbrief erhalten. Sie gab im Zeugenstand an, dass es sich eher um einen Vorschlag zu einer Änderung der Klasseneinteilung gehandelt habe, als um einen Drohbrief.

Die Todesdrohungen in dem rund 3.000 Einwohner zählenden Dorf hatten für großes Aufsehen gesorgt. Eine unbekannte Person hatte angekündigt, dass 25 Umhauser am 2. Februar 2004 ermordet werden sollten. Zahlreiche internationale Medien hatten sich damals im Ort eingefunden, um von den Ereignissen zu berichten. Wenige Tage später hatte die Angeklagte das umfassende Geständnis abgelegt. (APA)

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