Die österreichischen Symbole

9. Mai 2005, 19:07
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Vom Bundesadler bis zum Staatsvertrag

Der Bundesadler

Hunderte Jahre lang war der aus dem Mittelalter stammende Doppeladler das Staatssymbol. Die Republik beschloss 1919 die einköpfige Ausgabe, wobei der erste Staatskanzler und Anschluss-Freund, Karl Renner, eine schwarz-rot-goldene Konzeption einbrachte. Die Christlichsozialen fügten aber den babenbergischen Bindenschild in Rot-Weiß-Rot hinzu. Mauerkrone, Hammer und Sichel sind keine kommunistischen Symbole, sondern vertreten die drei Stände: Bürgertum, Bauern, Arbeiter. Im Ständestaat der Dreißigerjahre kehrte der doppelköpfige Adler zurück. Nach der Befreiung von der Nazi-Herrschaft kam der einköpfige Vogel wieder und die gesprengten Ketten hinzu (hier in der farblosen Fassung im Parlament). Rot-weiß-rot

Der (rot-weiß-rote) Bindenschild stammt ebenfalls aus dem Mittelalter und gilt als das "älteste bekannte staatliche Symbol dieser Art in Europa" (Peter Diem). Die Entstehungslegende (Kreuzzüge - das weiße Überkleid des Babenberger-Herzogs ist bei der Erstürmung von Akko so von Blut bedeckt, dass nur unter dem Gürtel ein weißer Streifen bleibt) ist eben nur Legende. Die Habsburger übernahmen den Bindenschild. Bei der Ausrufung der Republik 1918 vor dem Parlament schnitten die Roten Garden das weiße Mittelstück heraus. Am 13. April 1945 ließ Theodor Körner die rot-weiß-rote Flagge rasch nähen und am Rathaus anbringen. Heute werden die Farben auch von Banken usw. verwendet. Der Staatsvertrag

Der Staatsvertrag ist ein Fixpunkt der österreichischen Identität, das Original liegt jedoch in Moskau und wurde jetzt nur kurz ausgeliehen. Er begründet die endgültige volle österreichische Souveränität und enthält Minderheitenrechte, die bis heute in Kärnten nicht umgesetzt sind. Der politische Preis für den Staatsvertrag war die Neutralität, die aber nicht im Staatsvertrag steht, sondern am 26. Oktober 1955 vom Parlament beschlossen wurde (ohne FPÖ). An diesem Datum ist Nationalfeiertag, wobei viele die Verbindung mit der Neutralität nicht herstellen. Da die Neutralität durch die europäische Solidarität weit gehend ausgehöhlt ist, empfiehlt sich ein neuer Nationalfeiertag, eben der Staatsvertragstag am 15. Mai. Die Europafahne

Auch um die Europafahne ranken sich viele Mythen. Weil die Gründungsväter christliche Politiker waren, wird sie von klerikalen Kreisen als blauer Himmelsmantel der Madonna mit Sternen interpretiert (diese Deutung stammt wiederum aus der Offenbarung des Johannes, wo eine "Frau mit 12 Sternen zu ihren Füßen" erscheint, die aber nicht die Muttergottes ist). Die Zahl von 12 Sternen in der Europaflagge symbolisiert nach dem Beschluss des Europarates von 1955 "Vollkommenheit und Vollständigkeit". Sie bleibt unverändert, wie viele Staaten auch der EU beitreten. Das Kobaltblau der Flagge stellt "den blauen Himmel der westlichen Welt" (!) dar. Die Europaflagge wird neben der österreichischen geführt.

(DER STANDARD, Printausgabe, 10.5.2005)

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