Eliteschüler reizen zur Gewalt

11. Mai 2005, 08:37
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US-Studie fordert Gleichbehandlung statt Nulltoleranz

Pennsylvania - Die Häufigkeit von Gewaltakten in der Schule hat im Nationenvergleich praktisch keinen Zusammenhang mit der Kriminalitätsrate in den jeweiligen Ländern. Das ergibt eine Studie der Pennsylvania State University. Demnach ist die grundlegende Gewaltbereitschaft der US-Schüler geringer, als es die drastischen Ausnahmefälle wie die Schulschießerei in der Columbine Highschool vermuten lassen.

Studienautor David P. Baker stützt seine Aussagen auf Befragungen und Analysen aus 41 Ländern, die 1994 und 1999 erhoben wurden. Dabei zeigte sich, dass die nationalen Muster von Gewalt in der Schule nichts oder nur wenig mit der Kriminalität von Erwachsenen in einem Land oder sozialen Entwicklungen wie Scheidungsraten zu tun haben.

Verlierer vermeiden

Vielmehr bringen die Wissenschafter die Häufigkeit von Gewalt unter Schülern mit den Unterschieden im Erziehungssystem in Verbindung. "Je mehr ein Schulsystem akademische Gewinner und Verlierer produziert, desto eher schafft es damit eine Atmosphäre, die zu Gewalt in der Schule führt", erklärte Baker. Das sollte nun nicht bedeuten, dass sich die Verantwortlichen nicht darauf konzentrieren sollten, die Leistungen des Nachwuchses zu verbessern. Es sollte aber darauf geachtet werden, dass dies möglichst gleichmäßig auf alle Schüler verteilt geschieht.

Wenn man die Gewaltakte in der Schule verringern wolle, müsse die Qualität und die Gleichbehandlung gefördert werden, lautet die Überzeugung des Forschers. Von drastischen Bestrafungen, Nulltoleranz und Metalldetektoren in der Schule hält Baker wenig. Für alle die gleichen Möglichkeiten für das Lernen zu schaffen sei wesentlich effektiver. (APA, DER STANDARD – Printausgabe, 10.05.2005)

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