Kolportiert: Politisches Córdoba

10. Mai 2005, 16:59
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Fessel-Studie über das Deutschland-Bild der Österreicher: Nur mehr 79 Prozent finden die westlichen Nachbarn sympathisch

Kaum ein Tag vergeht, an dem Vertreter der Regierung nicht das "Wir sind besser als die Deutschen"-Lied anstimmen. Eine kleine Auswahl: "Deutschland blickt mit Neid auf unsere Steuerreform" (ÖVP-Klubchef Wilhelm Molterer), "Österreich ist ein weit attraktiverer Standort für Investoren als Deutschland" (Finanzminister Karl-Heinz Grasser), "Was in Deutschland gekocht wird, ist für Österreich ungenießbar" (BZÖ-Obmann Jörg Haider). Auch Bundeskanzler Wolfgang Schüssel verwendet Deutschland (und in einem Atemzug Rot-Grün) gern als Abschreckung, wenn er das "Erfolgsmodell Österreich" preist.

Nun hat das Bundeskanzleramt das Deutschland-Bild der Österreicher abtesten lassen. Die vom Meinungsforschungsinstitut Fessel & GfK durchgeführte Studie, die noch nicht veröffentlicht wurde, scheint die politische Córdoba-Propaganda zu unterstützen.

Noch vor einem Jahr fanden 85 Prozent der Österreicher die Deutschen sympathisch, aktuell sind es 79 Prozent. An erster Stelle stehen die Schweizer, gefolgt von den Italienern. Auch als Wirtschaftsvorbild hat der einstige D-Mark- Lieferant ausgedient: Nur mehr 49 Prozent der Österreicher halten Deutschland für wirtschaftlich erfolgreich. Dafür glauben mehr als neunzig Prozent an die Wirtschaftsmacht Österreich. (DER STANDARD, Printausgabe, 10.5.2005)

Von Barbara Tóth
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