Unfall in britischer Atomanlage Sellafield

10. Mai 2005, 20:53
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Uran- und plutoniumhaltige Salpetersäure ausgelaufen - Anlage teilweise stillgelegt

London/Oslo - Ein Teil der britischen Atomanlage Sellafield ist nach einem Unfall stillgelegt worden. Für Menschen und Umwelt bestehe keine Gefahr, teilte die Betreibergesellschaft British Nuclear Group mit. Wie die Zeitungen "The Times" und "The Guardian" am Montag berichteten, sind in der Wiederaufarbeitungsanlage von Sellafield viele Tonnen uran- und plutoniumhaltige Salpetersäure durch ein gerissenes Rohr ausgelaufen. Der Plutonium-Anteil beträgt nach Informationen der "Times" 200 Kilogramm, "was für 20 Atombomben ausreichen würde".

"Hochgiftige Mischung" floss in abgedichteten Raum

Die "hochgiftige Mischung" (Guardian) floss den Angaben zufolge in einen abgedichteten Raum. Dort könne sie zwar keinen Schaden anrichten, doch werde es ein kostspieliges und langwieriges Unterfangen sein, den Raum zu säubern, berichteten die Zeitungen. Möglicherweise müssten dafür erst noch Spezialroboter gebaut werden.

Norwegischer Umweltminister fordert "politische Konsequenzen"

Der norwegische Umweltweltminister Arild Hareide forderte "politische Konsequenzen" aus dem Unfall. "Dies zeigt deutlich die Risiken der Atomkraft, und dass sie keine dauerhafte Lösung sein kann", sagte Hareide in Oslo. Die Regierungen der skandinavischen Länder längs der Nordseeküste haben seit den achtziger Jahren immer wieder vergeblich in London gegen den Betrieb der Anlage zur Wiederaufbereitung von radioaktivem Material protestiert und auch die Stilllegung verlangt.

Sellafield heftig umstritten

Das seit Jahrzehnten heftig umstrittene Atomzentrum Sellafield (früher Windscale) an der Nordwestküste Englands ist neben dem französischen La Hague die größte Wiederaufarbeitungsanlage für Atombrennstäbe in Europa. 1957 ereignete sich in Windscale einer der nach Ansicht von Experten größten nuklearen Unfälle vor Tschernobyl: Ein Brand konnte erst nach drei Tagen gelöscht werden. Eine atomare Wolke zog über Großbritannien hinweg. (APA/dpa)

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