Brustkrebs: Zusatz-Therapie senkt Zahl der Rückfälle

17. Mai 2005, 11:10
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Monoklonale Antikörper zusätzlich zu Chemotherapie - wichtig bei besonders aggressiver Form der Erkrankung

Wien - Das könnte eine Revolution in der Behandlung von Brustkrebs bedeuten: Bei der Jahrestagung der amerikanischen Gesellschaft für klinische Onkologie (ASCO) in Orlando (US-Bundesstaat Florida) werden in wenigen Tagen (16. Mai) Studien präsentiert, die für Frauen mit einer besonders aggressiven Form der Erkrankung wichtig sind: Monoklonale Antikörper zusätzlich zu einer Chemotherapie verhindern etwa 50 Prozent der Rückfälle und führen zu einer besseren Überlebensrate.

"Das sind sensationelle Neuigkeiten. Man wird Frauen, die für eine solche zusätzliche Therapie geeignet sind, das Medikament geben müssen ("Herceptin", Wirkstoff: Trastuzumab, Anm.), betonte der Leiter des Ludwig Boltzmann-Instituts für Angewandte Krebsforschung am Wiener Kaiser Franz Josef-Spital, Univ.-Prof. Dr. Christian Dittrich.

20 bis 30 Prozent der Patientinnen betroffen

Bei Trastuzumab handelt es sich um ein Präparat eines monoklonalen Antikörpers, der den epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor HER2 oder auch HER2/neu bzw. c-erbB-2 blockiert. Frauen mit Brustkrebs, bei denen die Tumorzellen vermehrt den Rezeptor ausbilden, haben schlechtere Überlebenschancen. Betroffen davon sind 20 bis 30 Prozent der Mammakarzinom-Patientinnen.

Bereits seit 1998 ist "Herceptin" (Genentech/Roche) für Kombinationstherapien mit Paclitaxel ("Taxol") zur Behandlung von Frauen mit metastasiertem Brustkrebs zugelassen, seit 2004 auch für die Kombination mit Docetaxel ("Taxotere"). Weiters kann es als Monotherapie bei Frauen mit HER2-positiven Tumoren gegeben werden, bei denen eine oder sogar zwei verschiedene Chemotherapien bereits versagt haben.

Niedrigere Rückfallsrate

Dittrich: "Jetzt liegen aber die ersten Auswertungen von zwei großen US-Studien vor (3.300 Probandinnen, Anm.), bei denen bereits Frauen in einem früheren Stadium ohne Metastasen, aber geeignet für die Herceptin-Therapie, zusätzlich zum Chemotherapie-Regime (Doxorubicin plus Cyclophosphamid und danach das Taxan Paclitaxel, Anm.) noch zusätzlich mit dem Antikörper behandelt wurden. Und dabei hat sich gezeigt, dass es im Vergleich zur herkömmlichen Therapie zu einer um 52 Prozent geringeren Rückfallsrate kommt. Außerdem wurde die durchschnittliche Überlebensdauer statistisch signifikant erhöht." Bei den meisten Patientinnen war bereits ein Lymphknotenbefall festgestellt worden. Das heißt, dass ein hohes Rückfallsrisiko bzw. Metastasenrisiko bestand.

Hinzu kommen wahrscheinlich ähnliche Ergebnisse aus der so genannten HERA-Studie mit mehr als 5.000 Probandinnen. Hier hat sich laut den bisher vorliegenden Ergebnissen zumindest gezeigt, dass die Behandlung die Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung signifikant verlängert.

Jedenfalls stellt Trastuzumab offenbar das erste Medikament der so genannten zielgerichteten Krebstherapie (targeted therapy) dar, das über derartige Daten verfügt und besonders gefährdeten Brustkrebspatientinnen helfen kann. Allerdings kann die Kombinationstherapie bei drei bis vier Prozent der Behandelten zu Herzschwäche führen. In Österreich erkranken pro Jahr rund 5.000 Frauen an Brustkrebs. Etwa 1.500 sterben daran.(APA)

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