100 prozentiger Nullsinn

10. Mai 2005, 07:00
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Sexistisch, sinnlos, unlogisch: der zu zitronierende Aspekt der Kampagne "100 prozentige Abdeckung" der JVP Freistadt ist bei dieser Auswahl schwer zu treffen

Manchmal hat es Journalistin weitaus weniger einfach als zuerst angenommen. Angeregt vom aufmerksamen Input zweier kritischer Leser (sic!), wurde die Kampagne "100 prozentige Abdeckung" der Jungen Volkspartei Freistadt unter die Lupe genommen. Dabei handelt es sich um den überaus engagierten Versuch, die Region Freistadt mit Breitbandinternet zu versorgen, oder besser, um es mit den Worten des Bezirksobmannes Matthias Zwittig zu sagen: mit "allem, was über ISDN hinausgeht."

Unsere Aufmerksamkeit auf diese sicherlich überaus hehre Aufgabe wurde jedoch nicht aufgrund ihrer visionären Kraft angezogen. Vielmehr stach unseren Lesern und uns die weniger gelungene Visualisierung des Unterfangens schmerzhaft ins Auge. So wurde die bereits erwähnte geforderte "Abdeckung" mithilfe einer leicht be(bett-)deckten jungen Frau bildlich dargestellt. Die breiträumige Plakatierung des Hauptsujets ließ mit Sicherheit etliche feiste Schenkel nur so glühen vor Klopfen.

Frauenkörper als Schmäh- und Politiktransmitter

Um wieder zum Anfang zu kommen: das Thema schien auf der Hand zu liegen. Die junge Volkspartei, die doch wie ihre Mutterpartei noch immer das Kernfamilienkonzept wie eine helle Fackel vor sich trägt, instrumentalisiert den nackten Frauenkörper, um ihre politischen Messages zu transportieren. Das Internet soll wie die Frau erobert werden, abgedeckt und damit jederzeit griffbereit.

Doch nicht nur die sexistische und überaus unpassende Bebilderung der Kampagne "100 prozentige Abdeckung" ließ das Journalistinnenhirn auf Hochtouren arbeiten. Was sollte hier das Ziel und der Sinn dieser Aktion sein?

Die Aufmerksamkeit aufs schnelle Internet lenken

Bereits im Herbst 2004 wurden von Seiten der JVP Freistadt mehr als 1000 Unterstützungsunterschriften an den Jugendlandesrat übergeben, die alle für eine vollständige Ausstattung der Freistädter Haushalte mit Breitbandinternet stimmten. Auf die Nachfrage, was die Politik in diesem Fall leisten könnte - mit den vielen Unterschriften in der Hand - konnte der Bezirksobmann Zwittag leider nichts sagen. Die Presseaussendung der JVP Freistadt hingegen spricht da schon eher Tacheles: das Internet sei für Jugendliche überaus wichtig und Freistadt mit "allem was über ISDN hinausgeht" schlecht versorgt. Es sei "bei entsprechenden Anschlusswünschen durchaus lukrativ, auch ländliche Regionen" (mit schnellem Internet, Anm.d.R.) zu versorgen.

Aha. Überraschen tut das aber wohl kaum. Sicher, schnelles Internet ist überaus angenehm. Bilder gehen flinker auf, Down- und Uploads dauern kürzer, aber das wissen die dieStandard.at-UserInnen wohl selber sowieso besser. Die Frage, die sich hier stellt, ist: was soll das die Politik, also zum Beispiel den oberösterreichischen Jugendlandesrat, angehen? Kooperationen mit der Privatwirtschaft seien weder vorhanden noch geplant, so Zwittag, ihr Anliegen sei vordergründig gewesen, die "Aufmerksamkeit auf dieses Bedürfnis" zu lenken.

Bedarfsanalyse auf Parteienförderungsbasis

Und klar, sind genügend Wünsche nach Anschluss an das Highspeedinternet vorhanden, ist der Verkauf vieler Anschlüsse für die InternetproviderInnen sicherlich lukrativ. Wäre es da nicht gescheiter gewesen, einen Internetprovider auf eigene Kosten eine Bedarfsanalyse machen zu lassen - der kassiert ja im Fall der Fälle - anstatt mit Parteiförderung nackte Frauen zu plakatieren? Aber vielleicht hat Journalistin da einfach etwas ganz Zentrales nicht kapiert. Ich bin jedenfalls für mehr T-Shirts für alle Körper! Bergschuhe für Wandernde! Surfbretter für alle SurferInnen! Kulis für Schreiberlinge und Bücher für Lesende! Sollte wer eine Unterschriftenliste starten wollen, einfach mal die JVP Freistadt fragen. Die sind ja vielleicht wieder auf der Suche nach guten Ideen ...

(e_mu)

10.05.2005
  • Die 100 prozentige "Abdeckung" (Vorsicht! Schenkelklopfgefahr!) mit Breitbandinternet fordert die Junge Volkspartei Freistadt und illustriert das Ganze mithilfe eines leicht bedeckten (na, jetzt kapiert?) Frauenkörpers.
    jvp freistadt/redaktion
    Die 100 prozentige "Abdeckung" (Vorsicht! Schenkelklopfgefahr!) mit Breitbandinternet fordert die Junge Volkspartei Freistadt und illustriert das Ganze mithilfe eines leicht bedeckten (na, jetzt kapiert?) Frauenkörpers.
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