Handschuh mit der Lasche ziehen

17. Mai 2005, 11:28
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Ein Erfinder hatte eine simple Idee, um Untersuchungshandschuhe von Ärzten wirklich sicher zu machen.

Eine Mandeloperation löste bei Berthold Schrödl, Psychologe und Erfinder, ein Ahaerlebnis aus. "Wenn man da so als Patient liegt, hat man Zeit zu beobachten." Beispielsweise, wie schwierig es ist, benutzte Untersuchungshandschuhe auszuziehen, ohne mit Keimen in Berührung zu kommen.

Patient Schrödl bemerkte: "Die Ärzte versuchen sich durch Handschuhe zu schützen, durch den Ausziehvorgang wird der Schutz aber wieder zunichte gemacht." Warum? Berthold Schrödl hat genau zugeschaut: "Eine Hand entfernt den Handschuh der anderen Hand. Nun muss mit der jetzt ungeschützten Hand versucht werden, den anderen Handschuh (der potenziell kontaminiert sein könnte) abzustreifen."

Seine Schlussfolgerung: "Jeder Ausziehvorgang stellt also für den Handschuhträger ein beträchtliches und nicht zu unterschätzendes Ansteckungsrisiko dar." Und weil Herr Schrödl nicht nur aufmerksam ist, sondern vor allem "ein lösungsorientierter Mensch" und deshalb Erfinder aus Leidenschaft, begann die Denkarbeit. "Da muss sich doch etwas verändern lassen." Doch eine Erfindung kommt weder auf Knopfdruck noch durch Erleuchtung. Berthold Schrödl, im Brotberuf Verhaltens- und Kommunikationstrainer, weiß: "Von der Idee bis zur Produktentwicklung vergehen zwischen 1500 und 2000 Stunden." Stunden, die der 37-Jährige gerne bereit ist zu investieren. "Wahrscheinlich ist es die Lust an der Kreativität, am Herumprobieren, am Neugierigsein." Vielleicht auch das familiäre Umfeld: "Der Großvater, der Vater, der Bruder - alles sind Erfinder."

Ausgereifte Idee

Berthold Schrödls Idee vom infektionssicheren Schutzhandschuh ist mittlerweile ausgereift. Sie ist beim österreichischen Patentamt angemeldet und auch eingetragen. Der "Handschuh mit Greifhilfe" oder "Handschuh mit Laschen". Der Erfinder beschreibt die einfache Lösung: "Am Handschuh sind Laschen oder andere Greifhilfen angebracht, die man mit der jeweils gegenüberliegenden Hand ergreifen und so die Handschuhe gleichzeitig, gegengleich, übereinander umstülpen und abstreifen kann." Der enorme Effekt: "Die Außenseite ist nach innen gewendet, die Innenseite nach außen gekehrt, und man kann anschließend völlig einfach und sicher die gewendeten Handschuhe zur Gänze abziehen und entsorgen." Was die Marktchancen seines Produktes betrifft, ist der Erfinder "guter Dinge". Weltweit werden pro Jahr 75 Milliarden sterile Untersuchungshandschuhe von rund 200 Produzenten hergestellt. Schrödl: "Diese Zahlen beziehen sich aber lediglich auf Einweg- Untersuchungshandschuhe. Hier sind Operations-, Arbeits-, Schutz- und sonstige Einweghandschuhe, deren Marktpotenzial ebenso beeindruckend erscheint, noch überhaupt nicht berücksichtigt."

Unterstützt von der AWS (Austria Wirtschaftsservice), Österreichs Förderbank für die unternehmensbezogene Wirtschaftsförderung, möchte Schrödl nun einen Hersteller finden, der seinen Laschen-Handschuh produziert und vertreibt.

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    Untersuchungshandschuhe sind potenzielle Keimträger: Ein Erfinder will das Ausziehen der Handschuhe ohne Keimübertragung ermöglichen.

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