Zarte Pflänzchen in der Landschaft

17. Mai 2005, 11:28
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Gründungszentren sollen nicht nur den Technologietransfer beschleunigen, sondern auch Impulse für Uni-Spin-offs geben. Peter Illetschko sprach mit Alwin Pichler, Leiter von tech2b, eines dieser Zentren, über Innovationen und wirtschaftliches Denken an Universitäten.

standard: Das Zentrum tech2b hat Ende November 2004 im Zuge einer zweiten Ausschreibungsrunde seinen Erweiterungsantrag genehmigt bekommen. Was konkret bedeutet das?
Pichler: In den zweieinhalb Jahren, seit es uns gibt, waren unsere Schwerpunkte Mechatronik, Sensorik, Biotechnologie. Jetzt kommen E-Business und innovative Dienstleistungen dazu. Das hat natürlich für die Region eine große Bedeutung, weil an den Hochschulen in Oberösterreich viel Wissen um E-Business und innovative Dienstleistungen entsteht. Wir können uns jetzt um die wirtschaftliche Verwertung dieser Erkenntnisse kümmern.

STANDARD: Der Begriff E-Business, Handel über Internet, ist ja eigentlich konkreter als "Innovative Dienstleistungen". Das kann viel bedeuten. Können Sie ein Beispiel nennen?
Pichler: Ein Beispiel aus früheren Jahren ist sicher die Marktforschung über Internet. Das ist ein Werkzeug, das erheblichen Einfluss genommen und vieles erleichtert hat. Heute geht es zum Beispiel um barrierefreie Websites, die Sehbehinderten die Benutzung des Internets erleichtert.

STANDARD: Was erwarten Sie sich langfristig von dieser thematischen Ausweitung?
Pichler: Wir suchen verwertbare Forschungsergebnisse, suchen Gründungsideen und versuchen auch ganz aktiv Ideen zu stimulieren. Das zeigt in den Bereichen, die wir schon seit Anbeginn bearbeiten, bereits Wirkung. Das erhoffe ich mir natürlich auch von den neuen Bereichen. Es geht um einen bestmöglichen Transfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. In den Bereichen E-Business und innovative Dienstleistungen ist natürlich auch der Gründungsgedanke hoch ausgebildet, mehr als in den technischen Disziplinen. Dort wird wiederum durch neue Technologien die Basis für Gründungen gelegt.

STANDARD: Haben Sie eigentlich eine Messlatte, über die Sie sagen: Wenn wir das erreichen, dann haben wir Erfolg gehabt?
Pichler: Ja, die haben wir. Wir wollen am tech2b binnen fünf Jahren jetzt 45 Gründungen von Wissenschaftern betreuen. Wir liegen also gut im Rennen. Wir denken selbstverständlich in kleinen Kategorien, große Gründerwellen sind unrealistisch, dazu ist Österreich im Vergleich einfach zu klein.

STANDARD: Es gibt hier zu Lande mittlerweile viele Einrichtungen, die sich um diesen Transfer bemühen. Man hat eine Lücke geschlossen, auch durch die Gründungszentren. Was fehlt, um weiter aufzuholen?
Pichler: In Nischen ist noch viel möglich. Da haben wir in Österreich Wissensressourcen, die noch zu nutzen wären. Da entstand ein zartes Pflänzchen, das noch wachsen kann. Wir bieten ja Infrastruktur, Beratung und Finanzierung an. Man muss nur die Bemühungen relativ gleichmäßig verteilen, eben auf mehrere Bereiche. So wie es nun im tech2b läuft.

STANDARD: Und wie kann das funktionieren? Was muss passieren, um den Technologietransfer weiter anzukurbeln?
Pichler: Zum einen muss von den Universitäten verstärkt der Wunsch kommen, verwertbare Ergebnisse auch wirklich verwerten zu wollen. Da habe ich aber keine Befürchtung. Aufgrund des Universitätsorganisationsgesetzes herrscht auch ein gewisser Bedarf an den Hochschulen, in die Wirtschaft zu gehen. Sie müssen Drittmittel suchen, da passt unser Service sehr gut. Die Universitäten sind ja auch unsere Partner. Schwierig ist die Suche nach Kapitalgebern in der Anfangsphase. Venture-Capital-Geber steigen zu diesem Zeitpunkt bekanntlich nicht ein.

STANDARD: Welche Problemlösung schwebt Ihnen da vor?
Pichler: Für die Gründer sind wir in der Vorgründungsphase 100 Prozent Financier und können damit zumindest deren ersten Schritte finanzieren. Wir selbst arbeiten mit bis zu 80 Prozent öffentlichen Förderungen, die sich zukünftig auf 50 Prozent reduzieren sollen - was dann die Finanzierung der Gründer nicht mehr möglich machen würde. Irgendwie muss aber die budgetäre Lücke dann gefüllt werden. Die Universitäten werden es wohl nicht sein. Für die Zeit nach den ersten Schritten, die nachfolgenden Finanzierungserfordernisse der Gründer, arbeiten wir z. B. an der Etablierung eines Business Angel Netzwerks in Oberösterreich. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9. 5. 2005
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