EADS verdiente im ersten Quartal mehr als erwartet

27. Mai 2005, 19:09
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Überschuss stieg von 49 auf 328 Millionen Euro - Noch keine Entscheidung über neuen Airbus-Chef

Paris/München - Der europäische Flugtechnikkonzern EADS hat Dank seiner Tochter Airbus und eines dynamischen Rüstungsgeschäftes im ersten Quartal 2005 erheblich besser verdient als erwartet. Der Überschuss schoss im Jahresvergleich von 49 Mio. auf 328 Mio. Euro in die Höhe, teilte EADS am Montag in Paris mit. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen, Sonderposten und Firmenwertabschreibungen kletterte von 198 auf 657 Mio. Euro. Analysten hatten nur mit 410 bis 535 Mio. Euro gerechnet. Auch der Umsatz übertraf mit einem Anstieg um 16 Prozent auf gut sieben Mrd. Euro die Markterwartungen um rund 300 Mio. Euro.

Airbus habe von der hohen Zahl an Flugzeugauslieferungen im ersten Quartal profitiert und habe brutto 123 Bestellungen erhalten, hieß es. Der EADS-Auftragseingang habe annähernd neun Mrd. Euro erreicht nach 3,4 Mrd. ein Jahr zuvor. Die Raumfahrtsparte EADS SPACE habe hohe Aufträge aus Großbritannien erhalten und werde 2005 rentabler sein als im Vorjahr. Insgesamt habe der Auftragsbestand des EADS-Konzerns mit 190,4 Mrd. Euro, davon knapp 50 Mrd. Euro im Rüstungsbereich, einen Rekordwert erreicht.

Im laufenden Jahr strebt EADS einen Ertrag vor Steuern und Zinsen, Sonderposten und Firmenwertabschreibungen von 2,6 Mrd. Euro an. Der Umsatz soll 33 Mrd. Euro erreichen. Die Zahl der Beschäftigten blieb mit 110.897 zum 31. März 2005 stabil.

Die erwarteten Airbus-Auslieferungen für 2005 sieht EADS "eher am oberen Rand der bisherigen Prognose-Spanne von 350 bis 360 Flugzeugen" angesiedelt. EADS will 2005 ein Ebit von mehr als 2,6 Mrd. Euro und einen Umsatz von 33 Mrd. Euro erreichen.

Noch keine Entscheidung über neuen Airbus-Chef

Airbus-Chef Noel Forgeard und Verteidigungschef Thomas Enders rücken am Mittwoch an die Spitze des EADS-Konzerns und lösen damit Philippe Camus und Rainer Hertrich ab. Um die Nachfolge Forgeards an der Airbus-Spitze ist ein heftiger Streit zwischen Deutschen und Franzosen entbrannt. Enders sagte zuletzt, auf Forgeard müsse nicht unbedingt erneut ein Franzose folgen. Er könne sich auch einen Deutschen auf dem Posten vorstellen. Nach Angaben eines EADS-Sprechers könnte Forgeard neben der EADS-Führungsposition auch den Airbus-Chefposten behalten. Eine derartige Konstruktion auf Dauer hatte Enders in "Le Monde" vor kurzem aber ausdrücklich abgelehnt.

"Es ist noch keine endgültige Entscheidung getroffen worden", sagte EADS-Finanzvorstand Hans Peter Ring am Montag in einer Telefon-Konferenz für Analysten. Mehr Informationen werde es am Mittwoch anlässlich der Hauptversammlung der Airbus-Muttergesellschaft EADS in Amsterdam geben. Als Kandidaten im Rennen waren zuletzt noch der deutsche Airbus-Vizechef Gustav Humbert und der Chef der EADS-Tochter Eurocopter, der Franzose Fabrice Brégier.

Schon EADS-Nachfolgeregelung sorgte für Spannungen

Bereits die Nachfolgeregelung der bisherigen EADS-Doppelspitze Camus und Hertrich hatte für heftige Spannungen zwischen dem deutschen EADS-Großaktionär DaimlerChrysler und dessen wichtigsten Partnern, dem französischen Staat und dem Rüstungs- und Medienkonzern Lagardere, gesorgt. Deutsche und Franzosen halten an EADS jeweils 30 Prozent; die Deutschen hatten sich aus Sorge um das Gleichgewicht gegen den französischen Plan gestellt, Forgeard allein zum EADS-Chef zu machen.

Um die Spannungen zu glätten, hatte DaimlerChrysler Lagardere-Chef Arnaud Lagardere erst im vergangenen April in den Daimler-Aufsichtsrat berufen. DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp gab die Devise aus, die Deutschen wollten sich nicht noch einmal von den Franzosen "einwickeln" lassen.

Informationen der Nachrichtenagentur AFP zufolge scheiterte die Bewerbung des französischen Airbus-Vizechefs Gérard Blanc zum neuen Airbus-Boss bereits am Widerstand von DaimlerChrysler.

EADS hält 80 Prozent des Airbus-Kapitals, die übrigen Anteile liegen beim britischen Partner BAE Systems. (APA/dpa/Reuters)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Noch-Airbus-CEO Noel Forgeard (Bild) wird am Mittwoch gemeinsam mit Thomas Enders die EADS-Führung übernehmen.

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